Dienstag, 1. April 2014

24.03. Kampot

Kurz bevor wir nach Südostasien aufgebrochen sind, hab ich auf 3Sat (oder war's doch ARTE? Auf jeden Fall Bildungsfernsehen!) 'nen Beitrag über Kambodscha, insbesondere Kep gesehen. Es soll sehr schön sein und viel, viel Strand haben und sowas wie ein Geheimtipp sein. Na, da müssen wir doch hin! Und dann ist es auch noch umme Ecke von Kampot! Allerdings haben wir schon ein paar Leute getroffen die meinten, Kep ist nett, aber ein Tagesausflug reicht absolut aus. Dann machen wir das doch!

Moped-Action! Das Zweirad haben wir diesmal von 'nem Typen bekommen, der in seinen Bewegungsabläufen sehr stark an Louis de Funes erinnerte.

Kohlsuppe

Und um das Bild oben mal noch zu erläutern, wir hatten am ersten Tag ein paar Probleme mit der Tankanzeige. Nur mit der, alle anderen Anzeigen funktionieren ja hier meist erst gar nicht. Auf jeden Fall zeigte der Tank nach dem Volltanken an, dass er nur halb voll wäre. Und auf dem Weg nach Kep war auch das verbraucht. Also hielten wir an einer der hier typischen Tankstellen: einem kleinen Haus, vor dem ein paar olle Fantaflaschen (1,5l) rumstehen, in denen das Benzin aufbewahrt wird. Deswegen der Trichter auf dem Bild!

Kep haben wir dann auch erreicht. Zu allererst den Krabbenmarkt:


















Da wir Zeuge_in wurden eines üblichen Verkaufsvorgehens seitens der Krabbenfrauen, können wir an der Stelle auch beschreiben, 1. wie dieses Vorgehen aussieht und 2. wozu die Körbe da sind.

Ich möchte mit zweitens beginnen. Die Körbe sind die Aufbewahrungs-, ich möchte soweit gehen und sagen Frischhalteboxen für die Krabben. Jetzt mag man sagen: "Ach was! Es geht um Krabben und auf dem Bild sind Körbe zu sehen, dass das eine mit dem anderen zu tun hat, war zu erwarten." Jaja, nicht nölen, abwarten! Die Körbe sind nämlich gefüllt im Meerwasser verstaut. Deswegen Frischhaltebox! Und damit kommen wir zu erstens:

Kommt also jemand an den Markt und signalisiert, dass er/sie gerne Krabben hätte (vermutlich werden beide Hände in Kopfhöhe und ca. 40cm Abstand zu eben jenem Schädel nach außen gedreht und in Krabbenmanier wie Scheren bewegt, dabei muss der/die jenige auch leicht in die Hocke gehen und seitwärts laufen), rennen alle, aber wirklich alle Krabbenladies los, springen ins Wasser, hohlen die Frischhalteboxen raus und belagern damit den/die Interessenten_in. Alle plappern gleichzeitig los, was für tolle Krabben sie doch haben. Die hilflosen Meerestiere werden dabei nicht angehört, über sie wird nur in der dritten Person geredet. Also, Spektakel! Keine Ahnung, wonach der/die Käufer_in letztlich bei der Auswahl seiner künftigen temporären Stars im Gastronomiebereich geht, auf jeden Fall verschwindet er/sie zufrieden nach einer ganzen Weile, während die Krabbenladies ihre Gefangenen ins Meer zurück entlassen. Also, das ist wohl falsch formuliert. Die Krabben werden nur wieder eingesperrt und versenkt, Freiheit ist das nicht.

Wir sind dann weiter an den Strand. Haben den aber verpasst, weil er so klein ist. Haben deswegen noch ne Runde durch den Ort gedreht und festgestellt, hier ist nüscht los. Positiv betrachtet, kann man vielleicht behaupten, hier lässt es sich gut entspannen. Objektiv betrachtet ist aber einfach nichts los! Deswegen sind wir wieder an den Strand gefahren, haben ein bisschen gedöst und sind im Meer baden gewesen, aber sonst war da nichts.



Mitten im Schlaf wurden wir unsanft geweckt. Irgendein Kind hat von irgendeinem verantwortungslosen Erwachenen 'ne Flöte geschenkt bekommen. Bei den Fähigkeiten des Kindes im Holzinstrumentspiel muss das heute gewesen sein. Es war ein einziges Gepfeife und Gejaule. Ersteres das Kind, Zweites die Hunde, die aufgeschreckt wurden. Das Gepfeife ging 4 (!) Stunden und wurde in der Zwischenzeit noch ergänzt durch zwei andere Flöten.

Der Flötenschlumpf fängt an!

Das war zu viel des Guten. Wir packten also unsere Sachen und schlurften Richtung Moppped. Während wir eben jene Richtung gingen, sah ich in Richtung der "Betreuungsperson" oder des "Erwachsenen". Der guckte, nein, grinste in meine Richtung, holte tief Luft und blies dann einmal die Flöte. Arsch!

Wir sind dann nochmal zum Krabbenmarkt (Krabbe im Sonnenuntergang) und dann nach Kampot zurück.







25.03. Kampot

Entspannung pur. Nämlich deswegen, weil wir unser eigentliches Vorhaben verschieben mussten. Mehr dazu am 26.03. Deswegen heute Moped leihen, Frühstück, nach Kep fahren. Diesmal aber nicht an den Strand, wir hatten Angst vor den Flötenterroristen, sondern in einen, vom Strand nicht soweit entfernten Bereich voller Hängematten. Wir waren die Einzigen Gäste und das in der Hauptsaison! Dort blieben wir den ganzen Tag und lasen und dösten und lasen und dösten...


26.03. Kampot

Nach den beschaulichen letzten Tagen wurde es mal wieder Zeit für etwas Action. Zumindest für Suse. Also nicht, dass ich mich permanent sträuben würde, nur bei der für heute angesetzten Aktivität richten sich bei mir die Nackenhaare auf, während Suse.. naja.. ihr werdet's lesen!

Rockclimbing! Für jemanden wie mich, der schon auf der dritten Stufe einer Leiter anfängt zu schwitzen genau das Richtige. Und für Suse? Eben, wirklich genau das Richtige. Deswegen buchte sie bei Climbodia (vorranging wegen des Kletterns, wohl aber auch wegen des Wortspiels) einen Tagesausflug. Somit buchten wir heute zum dritten Mal ein Moped, immer das Gleiche und immer bei "Louis" und fuhren los.

Vor Ort begrüßte uns der Chef und Verantwortliche für den heutigen Tag und erklärte uns, was uns denn erwarten würde. Erstmal ruff uffn Berg. Relativ einfach, meinte er. Dann längs am Berg. Auch einfach meint er. Dann abseilen. Einfach.. einfach. Mit uns war noch ein Franzose am Start. Und damit ich gar nicht erst zu grübeln anfange, melde ich mich lieber als Freiwilliger, der zuerst den Berg hochkraxelt. Und: es war wirklich einfach! Nur oben sein war nicht so cool. Da hab ich mich lieber an der Felswand hinter mir festgehalten. Die Arme, ich hab übel transpiriert, die waren bestimmt klitschnass. Suse kam dann nach mir und völlig entspannt den Berg hoch gestapft.



Danach mussten wir dann, über eine sogenannte Via Ferrata den Felsen entlang klettern. Das war irgendwie gar nicht so meins. Suse immer noch völlig entspannt, ich dafür umso mehr auf die Felswand und deren stützende Funktion links von mir fixiert. Kontraproduktiv zu einem möglichen Entspannungsmoment meinerseits war auch die Geschichte unseres Tourguides, dass er beim letzten Mal wohl 'ne Schlange auf der Höhe gesehen hätte.. Höhe! Und Schlangen! Worst Case! Schlimmer wäre nur noch, wenn die Sicherungsseile aus Schlangen bestehen würden. Gottseidank war's dem Kriechzeugs aber auch zu warm heute, niemand zu sehen.






Dann kam der nächste Programmhöhepunkt: Abseiling. Aus gut 30 Meter Höhe. Geil (für alle, die hier den Sarkasmus nicht heraus lesen können: es ist welcher!). Und ich wieder als erstes.





Während ich also den Felsen mit dem selben monotonen Sinsang zuquatschte ("Was soll der Scheiß?", "Was mach ich hier?"), wie seinerzeit in Laos, kam Suse in 'ner neuen Bestzeit und immer noch grinsend direkt nach mir den Felsen runter geklettert. Sehr elegant, nicht so verkrampft wie ihr Vorgänger. Und unser Guide meinte im Anschluss auch noch, dass er bei diesem Programmpunkt noch nie so ein breites und glückliches Grinsen gesehen hätte.




Pff.. Angeberin! (Suse: Ey! Angstfrei war ich ja nun och - beim Klettern - nich, nur, dass es fetzt, die Angst zu überwinden!) Dann war erstmal Schluss mit Klettern und wir besuchten, quasi als dritten Programmpunkt die Höhlen, die sich im Berg (wo denn auch sonst?) verbergen. Caving also. Und hier offenbarte unser Guide seine Passion, mit der er seinen Job hier ausführte. Wir krochen durch die eine oder andere Höhle (hier musste Suse zur Abwechslung mal ihren Mut zusammen nehmen), fanden einen buddhistischen und einen muslimischen Gebetsschrein und einen liegenden Buddha und hörten viele Geschichten über die Höhlen. So zum Beispiel, dass hier zwei Mönche von den Roten Khmer getötet wurden und sich die Dorfbevölkerung während dieser Herrschaft zu verstecken versuchte. Leider umsonst, es wurden alle gefunden und in Arbeitslager gesteckt. Die Schreine wurden geplündert und zerstört. Das mit der Plünderung ist schon wieder sehr spannend: Haben die Roten Khmer eigentlich das Ziel gehabt, Wohlstand und Reichtum des Einzelnen zu überwinden, haben sie trotzdem Edelsteine und Gold aus den Gebetsstätten mitgehen lassen..

Zwischendrin musste unser Guide mal laut werden. Nicht zu uns, aber zu den Kindern, die hier Tourist_innen durchführen. Denn den Kindern ist es immer reichlich Schnuppe, wie trittfest die Besucher_innen im Gebirge sind. Und so rennen sie voraus und dann auch noch weg, wenn dann doch mal was passiert. Und das ist gar nicht so unwahrscheinlich, ist man nicht so gut gesichert, wie wir es waren. Und das richtig doofe ist, wenn jemand zu Schaden kommt bei solch einem Ausflug, wird der Chef (unser Guide) von Climbodia zur Verantwortung gezogen (weil sein Gebiet), obwohl er ja eigentich erstmal nichts dafür kann. Aber so ist das hier in Südostasien. Es scheint die Mentalität der Menschen zu sein, sich zu allererst um sich zu kümmern. Und das auch nur für den Augenblick. Alles was langfristig sein könnte oder Resultat aus einer aktuellen Handlung, ist unwichtig.





Und zwischendrin erzählte David (= Guide) von seinen Expansionsplänen und zeigte uns Höhlen, die er noch erforschen müsste und wo er noch durchkriechen will. Der Mann liebt seinen Job!

Dann ging's wieder zum Klettern. Hier hab ich mich erstmal ausgeklingt. Also eigentlich sollte dieser Zustand permanent bleiben, die Wortwahl verrät aber, dass ich mich umentschieden habe. Zunächst sind Suse und der französische Mitstreiter eine Wand hochgeklettert. Eine, die eigentlich als die einfachste der Wände deklariert wurde.




Dann kam die zweite und sowohl Suse, als auch der Franzose (dessen Name uns nicht mehr einfällt) kamen nicht über den schwierigsten Part hinaus. Das wiederum stachelte meinen Ehrgeiz an (Suse: und außerdem hab ich dich motiviert, 's zu probieren!) und was soll ich sagen, ich hab's geschafft! Nicht nur meine eigenen Ängste überwunden, sondern auch gleich noch bis fast ganz hoch! Geile Sache das! Wer kommt mit in die sächsische Schweiz??


Nun war es aber so, dass ich während des Kletterns immer mal nachfragen musste, wohin ich als nächstes greifen, beziehungsweise treten sollte. Und David immer so: "linker Arm hoch! Genau!" Später jedoch, als ich wieder unten ankam, meinte Suse, dass David überhaupt keine Ahnung mehr hatte, wo ich wäre, welche Arm- und Fußposition sich daraus ergeben würden und überhaupt. Er hat also einfach nur so vor sich hingerufen (und das war auch noch Suses Idee!). :-/ Trotzdem: ich war (fast) oben! Und wenn jetzt eine_r fragt: "Na häh, warum biste denn nicht gleich ganz hoch?" da sage ich, der Stein war glitschig (Schweiss) und die Abstände zwischen den Griffen zu hoch und der Ball zu platt und so weiter!
Ich sollte aber villeicht auch noch erwähnen, dass ich wahrscheinlich nur so glänzen konnte, weil die anderen beiden Kletterer_innen schon die erste Wand mitgenommen hatten. Das ist zumindest Suses These...

Dann Wand Nummer 3. Alle schon so: "Och nee, kann nicht mehr, ist auch ganz schön hoch!" Und ich so: "Na los! Angeschnallt und ab geht die Post!" Allerdings kam ich auch nicht höher als 1 Meter fünfzig übern Erdboden. DAS lag aber daran, dass das ein GANZ ein schwieriger Anfang war, bei dem man sich so rumschwingen musste, um dann weiter hoch zu kommen. Knapp war's, aber gescheitert bin ich trotzdem.





Also 's ist mir ja an solchen Stellen 'n bissl unangenehm, vor allem weil Suse mit liest (Suse: Na los, sag's schon, gib's zu!:), aber es war schon cool. Und ich tät's wieder machen. (Suse: Aha!) Dieses Geständnis hat mir zwar jetzt mindestens zwei Jahre "Nänänänänääää, hab's Dir gesagt!" eingebracht, aber man gewöhnt sich an alles!

Nachdem wir alle vorm Berg kapituliert hatten, saßen wir noch 'ne ganze Weile mit David zusammen und ham so gequatscht und Wasser geschlürft. Und David hat über sein Geschäft und seine Zukunftspläne geplauscht. Und ja, es war ziemlich cool.

Losreißen konnten wir uns nur, weil in Kampot ein Belohnungskuchen auf uns wartete (wird bildhaft noch zu ergänzen sein). Und am Abend waren wir gleich nochmal im Kino. Diesmal ein Filmklassiker, der sich hier und jetzt gerade zu aufdrängt: "The Killing Fields".





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