Wir sind heute irgendwie betrübt. Hauptsächlich deswegen weil wir Kambodscha verlassen und unseren Weg fortsetzen müssen. Der Urlaub neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen. Und daher zieht's uns jetzt wieder Richtung Vietnam. Wer jetzt fragend die Hände in die Luft wirft und ruft: "Nanu? Wollten die nicht noch nach Myanmar?", dem/der können wir sagen ja, richtig, das wollten wir. Aber die geringen zeitlichen Kapazitäten haben eine Visite in diesem aufstrebenden Land leider verhindert. Dafür konnten wir Kambodscha intensiv nutzen und erleben. - etwas abseits und ein eher wirklich aktueller Bezug: hinter uns sitzt ein asiatischer Herr, der schmatzt üüübel laut! Suse muss gleich lauter sprechen.. -
Gut. der Herr ist gleich fertig, ich versuche den Focus wieder auf den Text zu legen. Es ist ja auch vielleicht wieder Zeit für ein kurzes Rehsümeh (Viele Grüße an Mutti!). Kambodscha.. Hat es uns wahnsinnig angetan. Die Herzlichkeit der Menschen ist ähnlich wie die der in Laos. Und das trotz der allzeit greif- und sichtbaren Armut. Und trotz der immens traurigen Geschichte. Noch heute sind die Wunden aus dem Regime der Roten Khmer zum Greifen. Und der Stolz! Der Stolz darüber wieder aufgestanden zu sein, die Wunden heilen zu lassen und die Toten nicht zu vergessen. Und gleichzeitig wundern wir uns. Darüber, dass der Premierminister als ehemaliger hochrangiger Khmer Rouge an seinem Amtssessel klebt, niemand etwas macht oder machen kann, die Kulturgüter (Angkor Wat und die Killing Fields zum Beispiel) an ausländische Investoren verschachert wurden und die Bevölkerung nichts, aber auch gar nichts von den Einnahmen zu sehen bekommt. Korruption überall, hochrangige Minister und Polizisten, die das ganz offensichtlich machen, bleiben ungestraft und "einfache" Menschen riskieren für ein paar Dollar durch illegale Arbeit ihr Leben. Nicht, dass wir die Abholzung des Regenwalds gut heißen, auf gar keinen Fall, nur sind es die Relationen, wie immer in Diktaturen. Und trotzdem, oder gerade wegen dieser Vielfalt an Emotionen, die uns einfallen, wenn wir über Kambodscha nachdenken, haben wir uns ganz schön verguckt in dieses Land.
Nun aber Vietnam! Da waren wir schon mal. Lange her! Das bedeutet natürlich wieder Busfahrt, aber nur kurz. Eine knappe Stunde bis zur Grenze und dann nochmal ein paar wenige Stunden. An eben jener Grenze zwischen Kambodscha und Vietnam fällt uns ein deutsches, nein bayrisches Pärchen auf. Sie glänzt dadurch, dass sie sich permanent beschwert, dass alles so lang dauert (dabei waren die heute echt schnell). Und er quatscht alle auf bayrisch zu. Also mal ehrlich, die meisten hier können nicht mal englisch geschweige denn deutsch als Fremdsprache und der kommt mit bayrisch?? "Johimmelherrgottsakra, do geb i dir finf dollah und du gibst mir drrrrei zurück, joherrschaftszeiten!" So oder ähnlich. Der Käpt'n (er hatte eine Kapitänsmütze auf) hat nicht mal versucht auf englisch zu reden! Da kommt Freude auf!
An der Grenze war auf einmal eine ältere Dame als Vermittlerin zu Gange. Sie begleitete uns auch auf ihrem Moped bis zum Busbahnhof und dort verkaufte sie wieder Tickets, um auf Phu Quoc (eine Insel) auch bis zum Hauptort vordringen zu können. Dankenswerter Weise verkauft sie die Tickets, denn sonst würde man ja gar nicht ankommen können! Irgendwie strengt's langsam an. Immer genau überprüfen, ob nicht doch ein günstigeres und realistischeres Angebot zu bekommen ist. Ebenso, eigentlich Thrombosestrümpfe oder zumindest 'ne Handvoll Aspirin (Blutverdünner, für alle nicht Mediziner_innen hier) vor Antritt einer Busfahrt nehmen zu müssen, weil der Platz im Bus wieder maximal ausgefüllt wurde. Aber wir wollen ja auch nicht mehr als nötig hier rum lamentieren. Immerhin geht's ans Meer und zum Tauchen. Also Ärger runtergeschluckt und weiter geht's! Auf der Fähre zur Insel wurde wieder der Fernseher angeschaltet! Heute gab's Ghostrider. Und wieder, wie auf der Fahrt nach Sihanoukville, konnten wir den Film nicht zu Ende gucken. Wieder an der spannendsten Stelle! Das gibts doch nicht! Machen die das mit Absicht? Jetzt nöhle ich schon wieder und den Film hab ich trotzdem nicht zu Ende geguckt..
Auf der Insel angekommen ging's vorbei an Tierschutzrechtlich eher fragwürdigen Verkaufsständen und dann mit 'm Bus (wir ham uns also doch ein Ticket gekauft, wenn auch nicht bei der alten Dame, so auf der Fähre) bis nach Long Beach. So heißt nämlich die Haupt-Tourist_innenmeile - jetzt hat der Eine aufgehört zu essen, fängt der Nächste an. Ich krieg 'ne Meise! - Dort wurden wir von unserem (wirklich, ohne Sarkasmus) netten Busfahrer umher gefahren, bis wir 1. 'ne geeignete Unterkunft und 2. unseren Tauchgang für den nächsten Tag gebucht hatten.
Zur Belohnung für unsere Geduld mit bayrischen Stressoren sind wir dann gleich an den Strand. Und von dort zum Nachtmarkt und von dort Essen. Aber das ist ein anderes Kapitel..
28.03. Phu Quoc
Heute also Tauchen. Im Süden der Insel soll dieses Erlebnis besonders eindrucksvoll sein, weswegen wir auch dort hin fuhren. Wieder mit 'nem Dampfer, aber ohne Übelkeit. Dafür war die See heut zu ruhig. Dafür war aber die Begleitung heute nicht so der Hit. Die Dive-Master (ich bin immer noch der Meinung, das wäre durchaus ein anzustrebender Titel) schon, aber die anderen Taucher_innen nicht. Schade eigentlich. Unter war's aber wieder eine Wonne! Drei Tauchgänge, Sicht eher dürftig aber ganz schön viel Gewusel da unten! Und das, obwohl die Fischer hier mit Dynamit die Fangquote optimieren. Noch ein Grund mehr keinen Fisch zu essen. Als wir unten waren, hat niemand mit Sprengstoff nach uns geworfen, es blieb alles friedlich, mal abgesehen von den gelegentlichen Verhedderungen, wenn sich zwei Taucher_innen am selben Fleck bewegen wollen.
Fotos müssen wir heute auch schuldig bleiben, dafür waren wir einfach zu tief unter Wasser.
29.03. - 30.03. Phu Quoc
Der Abend des 27. war richtungsweisend für die nächsten beiden Tage: Strand! Meer können wir dazu auch nicht sagen. Vielleicht noch die Hinweise: Liegestühle, Sonnencréme, kühle Erfrischungen außerhalb, weniger kühle Erfrischungen im Wasser, dafür 'n komischer Ausschlag und Juckreiz nach Verlassen des Meeres und die Bücher 17 und 18, die zu Ende gelesen wurden.

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