Freitag, 7. Februar 2014

02.02. Hue

Dies ist schon unser letzter Tag in Hue und es gibt noch jede Menge zu sehen. Deswegen haben wir beim netten Hostelmann einen Tagesausflug zu den Pagoden und Gräbern der näheren Umgebung gebucht. Ich nehme es vorweg, auf die Namen sämtlicher Sehenswürdigkeiten müssen wir in diesem Beitrag verzichten, wir konnten uns schlicht und einfach nicht mehr erinnern.
Nun also: Los gings um 8 Uhr morgens. Da wurden wir mit Mopeds vorm Hostel abgeholt. Wie in jedem Supreme-Hotel üblich, verabschiedete uns der Chef (aka netter Hostelmann) persönlich und mit Handschlag.
Dann gings zum Hafen, wo bereits ein Drachenboot auf uns wartete.

 
Wir hatten so eins, wie im Vordergrund zu sehen ist. Ein etwas größeres Boot, mit zwei Drachenköpfen statt nur einem. Da passen ein paar mehr Leute und Lunch drauf ;-) Also gings los und zu allererst wurde die Menükarte ausgeteilt und die Bestellungen fürs Mittagessen aufgenommen, was uns verwunderte, weil dieses ja im Preis inbegriffen sein sollte. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass lediglichh Reis und Bohnen vorgesehen war, wer was anderes möchte, muss halt bestellen. Hmm.. Ok.. Dann halt noch etwas Obst.. Zurück vom Grummeln, hin zur wunderbaren Natur links und rechts des Ufers. Dort waren Wasserbüffel und Reisfelder, krass hohe Berge am Horizont und ein paar Mopeds in Hup-Nähe. Nach einer halben Stunde gabs den ersten Halt an einem kleinen Häuschen, das wohl seit Anfang des 19. Jahrhunderts im königlichen Besitz war.



Doof war nur: Eintritt war nicht im Preis der Tour inklusive, was für die übrigen Sehenswürdigkeiten auch noch von Belang sein sollte. Nach einer kurzen, sehr, sehr touristischen Stipvisite in der königlichen Gartenlaube gings dann wieder zurück zum Boot und zur ersten wirklichen Attraktion, die Thien Mu Pagode. Oder wie unsere Föhrrerin sagen würde: the heavenly Lady. Sie (unser Guide) hat immer so lustig gesprochen. Da ihr Englisch nicht so gut war, oder wie Lothar Matthäus sagen würde: "My English is not so good, my Vietnamnese ist better", hat sie die "L's" in den Worten extrem zungenlastig hervorgehoben. So wie Britney Spears bei "One more time", insbesondere der Textzeile "My lonelynes is killing me". Für alle, die das jetzt ausprobieren wollen: bei jedem "L" muss die Zunge die Nasenspitze berühren! So, und jetzt kicher ich vor mich hin..

Wie auch immer, ich schweife ab! The heavenly Lady! Genau. Der Geschichte nach erschien den Dorfbewohnenden hier vor mehr als 400 Jahren der Geist einer Frau, die prophezie.. prophetere.. vorhersagte, dass ein König, nein, DER König kommen und eine Pagode bauen wird. Und tatsächlich kam ein König auf dem Fluss entlang geschippert, stieg aus (musste wahrscheinlich mal), wurde von der hiesigen Dorfbevölkerung erkannt, wurde auf seine Aufgabe hingewiesen und hat aus tiefer Dankbarkeit dort eine Pagode errichtet, die der heiligen Dame gewidmet ist.


Aus diesem Kloster stammt auch der erste buddhistische Mönch, der sich aus Protest gegen die Ngo Dinh Diem Regierung bei lebendigem Leib selbst verbrannte. Diese pflegte eine äußerst restriktive Haltung gegenüber Buddhisten und belegte sie mit drastischen Sanktionen, Verhaftungen, Folter und Mord. Das Auto des Mönchs steht als Reliqiue im Kloster und wird von den dort lebenden Mönchen verehrt.

Nach der Pagode gings weiter mit dem Schiff. Nachdem wir ablegten, wurde es nochmal hektisch, hatte doch unsere Föhrrerin vergessen die Gäste durchzuzählen. Auf jeden Fall stand noch ein älterer Herr an Land und winkte uns aufgeregt zu.. Den haben wir noch eingesammelt und dann gabs endlich Lunch. Mehr oder minder gut, immerhin fanden wir allein bei uns am Tisch drei Haare in Reis und Gemüse, die keinem der anwesenden Mahlzeit-Teilnehmer_innen zugeordnet werden konnten. Das kann aber einen hungigen Magen nicht erschüttern und so aßen wir und aßen wir, bis wir dann wieder Land anliefen und in einen bereits wartenden Bus umsteigen mussten. Der fuhr uns zuerst zum Hon Chen Tempel.






























Ursprünglich war dies wohl auch ein Königssitz, allerdings weiß ich jetzt nicht mehr, welcher König das war. Wie gesagt, die englische Sprache unserer Guide war schwer verständlich. Die Anteile mit vermutlichen Details zur Geschichte wurden immer nur kurz angerissen, bei einfacheren Parts wiederholte sie das so eben Gesagte noch einmal als Frage. Mein Lieblingssatz des Tages soll das einmal verdeutlichen: "And you know, he built the pagoda in the nature. U know nature?" Ja, ich kenne Natur, hab ich schon mal gesehen, weiß nur nicht mehr, wo das gewesen sein könnte. Naja und so ging das den ganzen Tag.. Die Pagode hier widmete der König wohl aber seiner Frau, die er so sehr geliebt hat ("U know why? Because she was so beautiful and intelligent. [...] U know why? Because she was so beautiful and intelligent"). Nämlich viel, viel mehr als wie die 612 (!) Konkubinen, die er sonst noch hatte... Für das gesamte, echt riesige Areal hatten wir eine Führungsdauer von 20 Minuten. Anschließend nochmal 10 Minuten, um uns das Gelände auf eigene Faust nochmal zu erkunden. (So lang brauchte man aber von der hintersten Ecke, in der die Führung endete bis zum Bus) Nachdem wir also wieder zurück gehetzt sind, gings weiter zu anderen Gräbern von Königen. Das wirklich blöde an der Tour, neben der kryptischen Sprache unserer Föhrrerin, war aber, das wir (wie gesagt) jedes mal wieder Eintritt zahlen sollten. Und dann wurde man wieder durch so eine riesige Anlage gescheucht. Die sicherlich alle wunderschön gestaltet sind und eine tolle Geschichte haben, nur haben wir davon nüscht mitgekriegt. Sehr, sehr ärgerlich. So kann ich mir auch die Mühe sparen, zu recherchieren und sie hier doch noch alle aufzuzählen. Mittlerweile wurde Suse auch ein wenig unruhig, es war schon früher Nachmittag und immer noch 2-3 Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, beziehungsweise zu durchrennen. Und wir wollten doch um 5 unseren Bus erwischen, der uns nach Hanoi fahren sollte! Alles in allem hatten wir von der Tour n ziemlich schlechten Eindruck. Zwar sind wir rechtzeitig wieder zurück gekommen, aber insgesamt wars sehr, sehr dürftig: kaum Zeit für die einzelnen Sehenswürdigkeiten, viel zu viel für eine Tour, für jedes muss separat bezahlt werden und ne Guide, die mehr schlecht als recht uns erklären konnte, was wir gerade sehen. Dis war wohl ma nüscht! So sind wir zurück zum Hostel, ham uns noch ne kühle Coke genehmigt und sind dann zum Bus nach Hanoi, der solide ne Stunde zu spät kam. Zwischendurch war der Bus so voll, dass einige Mitreisende auf Matten auf dem Fußboden liegen mussten. Und ich beginne zu glauben, dass unfreundliche Busfahrer eine internationale Erscheinung sind. Ich hab zwar kein Wort verstanden, aber er hat mich ganz schön angeranzt, als ich bei der eingelegten Pause mit einem nackschen Fuß auf der Straße stand. Mehr von seiner Unfreundlichkeit dann für den morgigen Tag.

03.02. Hanoi

War das eine Scheiße.. Der Busfahrer hatte sowas von keinen Bock auf die zu befördernden Tourist_innen ausm imperialistischen Ausland. Der hat wirklich jede verdammte Bodenschwelle und jedes Schlagloch (wir meinen absichtlich) mitgenommen. Dazu kommt noch, das vor Suse und mir schräg gegenüber ein Typ lag, der aber mal massivst geschnarcht hat. Selbt mit Ohropax war das nur schwerlich zu ignorieren. Und unter mir lag ein anderer Typ, der morgens um 2 lautstark anfängt zu telefonieren. Eine illustre Runde! So. Geplant war eigentlich, das wir gegen 11 Uhr des Folgetages (der 03.02.) in Hanoi ankommen. Wir wissen nicht wie, auf jeden Fall ging kurz nach 5 Uhr morgens das Licht im Bus volle Bude an und der Busfahrer plärte nur kurz "Hanoi!"  in den Raum. Wir waren also 6 Stunden eher da als geplant. Vielleicht möchte man auch gar nicht wissen, wie der das geschafft hat. Das "oi" von "Hanoi!" war noch nicht richtig verklungen, da schmiss der Busfahrer auch schon die Rucksäcke ausm Kofferraum, knallte die Türen zu und fuhr weg. Da steht man nun, müde und unwissend, an welcher Ecke der nun keenen Bock mehr hatte und guckt, wo man hin muss. Leichte Beute für Taxifahrer.. Lange Rede, kurzer Sinn: zu viel Geld für eine Strecke, die deutlich kürzer hätte sein müssen.



Aber von sowas lassen wir uns doch die Laune nicht verderben. Immerhin haben wir's trotzdem bis zum Hostel geschafft, auch wenn wir zunächst nur ein, statt der reservierten zwei Betten bekommen konnten. 'N bissl angemüdet gings dann zum organisatorischen Teil, immerhin mussten Touren in die Halon Bucht und nach Sapa gebucht werden.
Und dann gings zum See der Riesenschildkröten, der im Zentrum von Hanoi liegt und rechts zu sehen ist. Das ist aber auch schon alles, was dort zu sehen ist: Wasser. Von Riesenschildkröten keine Spur. Nur allerhand Omis, die einem Bockwurst (oder was auch immer das ist, auf jeden Fall riechts lecker) und Ananas andrehen wollen. Nach ner kleinen Pause haben wir dann noch ein Stückchen mehr von der Hauptstadt Vietnams erkundet und jetzt schon feststellen müssen, dass die Mentalität der Menschen hier ganz anders zu sein scheint, als die der Menschen, die im Süden des Landes leben. Sehr viel kühler, distanzierter, man könnte fast meinen arroganter. Ist aber wohl nur unsere subjektive Meinung. So haben wir uns durchgekämpft bis zum Lenin-Park und den Botschaften verschiedener Staaten und anschließend wieder zurück zum Schildkrötensee. Apropos, da fällt mir ein, ich könnte noch berichten, warum der so heißt. Der Sage nach war wohl Vietnam im 14. Jahrhundert chinesischen Aggressoren ausgesetzt und der König flehte die Götter um Hilfe an. Da erschien in eben jenem See eine riesige Schildkröte und überreichte dem König ein Schwert, mit dem er seine Feinde besiegen konnte. Und nach getaner Arbeit ging er wieder zum See, um sich bei den Göttern zu bedanken. Da tauchte die Schildkröte wieder aus dem See auf und nahm das Schwert mit sich in die Tiefe, wo es seit dem liegt. So geht die Geschichte. Und später, während des Vietnamkrieges hat die Stadtbevölkerung wohl den einen oder anderen US-Piloten aus dem See geholt, den sie zuvor abgeschossen hatten. Wir auf jeden Fall haben nichts und niemanden aus dem See gefischt sondern sind in das Wasserpuppentheater auf der anderen Straßenseite gegangen.


Der Tanz der Puppen wurde begleitet von traditioneller vietnamnesischer Musik und war richtig besauzaubernd schön. Mit dieser schönen Vorstellung wollten wir den Tag beschließen und wieder zurück ins Hostel, die fast schlaflose Nacht hatte doch ihre Spuren hinterlassen und außerdem sollte es am nächsten Tag schon sehr zeitig in die Halong Bucht gehen. Doch nachdem wir in unserer Unterkunft ankamen hieß es, dass das zweite Bett doch nicht frei geworden sei und wir nun in ein anderes Hostel umziehen müssten. Entweder nur eine Person oder beide, wie wir wollen.. Und bei all der Aggression und Wut, die sich da in einem aufbauen, darf man nicht vergessen immer weiter zu lächeln. Wir wollen doch nicht, dass am Ende jemand sein Gesicht verliert! Verrückte Kultur. Aber, Glück im Unglück, das andere Hostel war sehr viel besser, komfortabler und es gab auch noch Frühstück, das im Preis inklusive war. Na ein Glück..  





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen