Es tut mir leid. Von ganzem Herzen, aber... dieser Beitrag muss mal fast ohne Bilder auskommen. Nachdem Suse ja so wunderbar unsere kulinarischen Erfahrungen bild- und worstspielhaft zusammengefasst hat, schreib ich einfach mal nur. Das liegt aber auch daran, dass wir zu dieser Geschichte einfach nur ganz wenig Fotos haben und ich deswegen versuchen muss, sie, also die Geschichte, so zu erzählen.
Beginnen wir damit, dass wir uns in Erinnerung rufen, Suse und ich sitzen, nein, liegen mal wieder in einem Sleeping Bus, der uns an die Grenze Vietnams zu Laos bringen soll. Das ist deswegen bemerkenswert, weil Suse bereits nach hundert Metern Fahrt ordentlich übel geworden ist. Wir lagen da so vor uns hin und aus meiner Position (ganz hinten, rechts unten) konnte ich prima aus der Frontscheibe gucken, wo wirklich wahnsinnig schnell erst die Bäume und Wiesen von links nach rechts und dann umgedreht, von rechts nach links wanderten. Wir fuhren also die Serpentinen von Sa Pa wieder runter. Und dabei wurde (wie gesagt) Suse richtig scheene übel und ich knallte bei dem Versuch zu schlafen immer wieder mit dem Kopf gegen die Buswand, wenn wir wieder in eine Linkskurve einbogen. Neben den Geräuschen, die Menschen machen, die sich die Strecke nochmal durch den Kopf gehen lassen, konnten wir beide ein wenig schlafen. Sehen wir mal davon ab, dass der Busfahrer gegen 1 Uhr Morgens seine Aufnahmen folkloristischer Gesangsaufnahmen volle Bude aufdrehen musste..
Um 5 Uhr morgens erreichten wir dann Dien Bien Phu und wir wurden geweckt von ein paar Herren, die "Luang Prabang!" in den Bus riefen. Was nicht schlecht war, denn da wollten wir ja auch hin! Ehe man sich versah, war auch schon einer der Herren mit unserem Gepäck weg. Also mit Suses, meins war noch da. Und da steigt dann schon mal der Adrenalinpegel (auch ohne vietnamnesischen Kaffee), wenn man versucht herauszufinden, in welchem Bus der Rucksack eigentlich verstaut wurde, es aber niemand verraten möchte. Nach langem und lautstarken hin und her haben wir dann Suses Sachen zurück gekriegt und wir konnten in den nächsten Bus einsteigen.
Dort warteten bereits diverse Fahrtgäste darauf, dass es los ging. Zwischendrin wurden sämtliche Gepäckstücke aufs Dach des Buses geschnallt, um noch mehr Reisewillige aufnehmen zu können. Mittlerweile saßen bereits im Gang zwischen den Plätzen einige Vietnamnes_innen. Nun ging es los. Aber nicht der direkte Weg, das wäre ja was! Nein, nein. Immer hübsch von Tür zu Tür, um noch mehr Leute einsteigen zu lassen. So erreichten wir erst gegen Mittag die vietnamnesische Grenze. Dort tauschten wir etwas Geld und konnten direkt danach wieder in den Bus einsteigen. Interessanterweise haben es die Busfahrer an der Grenze geschafft, noch ein paar Leute mehr einzusammeln. Wir haben keine Ahnung, wo die nun auf einmal herkamen. Wahrescheinlich, weil alle dachten, das würde nur bis zur laotischen Grenze so gehen und dann würde sich der Bus wieder leeren, war die Stimmug noch überraschend gut. An der Grenze zu Laos stiegen alle hundert Leute dann wieder aus, wurden kurz mit einem Thermometer der neuesten Art (wird an die Stirn gehalten) auf Fieber gecheckt und konnten dann ihr Visum beantragen. Das Fiebermessen hat keine besondere Bedeutung, außer das eine Gebühr darauf erhoben werden konnte. Ich bin froh, dass ich nicht vor, sagen wir mal, 40 Jahren hier vorbei kam und die Thermometer größtenteils darauf spezialisiert waren, die Körperwärme, nun ja.. tiefengenau zu ermitteln..
Das ganze Prozedere dauerte 4 Stunden, wobei die Vietnamnes_innen viel schneller fertig waren als die übrige Reisegesellschaft. Als die dann alle ihren Pass hatten, hatte sich die anfänglich gute Stimmung umgeschlagen in eine sehr miesepetrige Laune. Das äußerte sich in Verbalattacken gegen die Asiat_innen, dass diese sich von den Plätzen scheren sollten, schließlich habe man ja schon die ganze Zeit dort gesessen und, und, und. Und es wurden noch mehr Leute im Bus. Wo auch immer die alle herkamen! Ich hatte mittlerweile überhaupt keine Beinfreiheit mehr.
Da, wo sonst Beine sein dürften, nämlich am Ende des Sitzes, Richtung Fußboden saß eine Frau, die meine Oberschenkel als Rückenlehne umfunktionierte (Ich hatte also meine Beine quer übers Suses Beine gelegt). An meiner Schulter lehnte eine andere Frau und versuchte zu schlafen. Das unterbrach sie nur um erst zu stöhnen und dann zu kotzen. Insgesamt haben sich von den nun 120 Partygästen bestimmt ein Drittel übergeben, eine stolze Quote (und Suse sah so aus als könnte sie diese Quote sogar noch steigern). Ach ja, trotz oder gerade wegen der Vielzahlan Menschen im Bus hat unser Fahrer fast noch zwei Mitfahrerinnen an der laotischen Grenze stehen lassen. Erst nach massiver Intervention sämtlicher westlicher Fahrgäste hat er sich dazu hinreißen lassen, nochmal kurz anzuhalten. So ging die Tour also weiter, ab und an wurde mal jemand rausgelassen und schließlich hielten wir in Udomxai (was wir auch erst erfragen mussten), einem kleinen und hässlichen Dorf in Nordlaos. Wir dachten, dort würde nur Pause gemacht, immerhin war unser Reiseziel Luang Prabang noch nicht erreicht. Doch als Suse und ich nach einem kleinen Spaziergang um den Busbahnhof zurück kamen, hörten wir nur einen Franzosen sehr intensiv mit unserem Reisebegleiter diskutieren. Leider kann ich diesen wunderbaren französischen Akzent in der englischen Sprache an dieser Stelle nur bedingt wiedergeben, auf jeden Fall drückte er seinen Unmut und seine Verwunderung darüber aus, das für heute hier und jetzt Schluss sei mit der Reise. Das wirklich ärgerliche an der Sache ist 1., das solche Geschichten auch im Lonely Planet immer wieder dokumentiert werden und 2. unser Reisebegleiter nur rotzfrech, nicht wie sonst üblich in diesen Regionen nett lächelte, sondern grinste. Man muss ihm aber zu Gute halten, dass er jedem noch 5 Dollar zurück gab, damit wir am Folgetag auch nicht Extrakosten hätten, um Luang Prabang zu erreichen. Und dann verschwand er kichernd im Dunkel der Nacht. Und wir standen da. 11 Menschen, die in der Pampa ausgesetzt wurden. Und so machten wir das Beste draus, suchten uns eine Unterkunft für eine Nacht, dinnierten noch gemeinsam, tranken ein Bierchen zusammen und konnten am Ende des Tages auch wieder lachen über die ganze Geschichte.
Und dann viel Suse und mir auf, dass es absolut logisch ist, dass 150 Menschen plus Gepäck in einen Bus gepackt werden können. Denn wer sowas alles mit seinem Moped transportieren kann:
der versucht auch alles, um den Platz im Bus optimal zu nutzen. Und ich seh grad, es sind ja doch noch ein paar Bilder zusammengekommen :-)
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