06.02. - 09.02. Hanoi - Sa Pa
An dieser Stelle können wir ruhig mal wieder ein paar Tage zusammenfassen und beginnen somit gleich am ersten Tag nach unserem Luxusausflug zur Halong Bucht. An diesem darauffolgenden Tag sah unser Plan vor, Onkel Ho einen Besuch abzustatten. Dass das ne Nummer für sich werden würde, wussten wir schon im Vorfeld der Exkursion, niemand bereitete uns aber auf das vor, was dann folgen sollte: Zunächst legten wir einen 5km Spaziergang vom Hostel bis zum Gelände zurück, auf dem alles zu Ho Chi Minh zu finden ist.
Ein Museum, sein Wohnhaus, viele Moppeds von Gästen und natürlich das Mausoleum, in dem er aufgebahrt liegt. Allerdings mussten wir erst einmal um den gesamten Park drum rum, um zum Eingang zu kommen. Als wir den erreicht hatten, konnten wir nicht einfach so hinein, nahahein! Erst mussten alle Tourist_innen hübsch in Zweierreihe antreten, um dann von einer Polizistin zum zweiten Hindernis (nimmt man die ausufernde Umleitung zum Eingang als erstes an) weitergeleitet zu werden. Nach diesem folgte also die Gepäckabgabe. Ebenfalls im Vorfeld des Ausflugs haben wir gelesen, dass die Sicherheitskräfte es überhaupt gar nicht mögen, wenn man Fotos machen möchte von Onkel Ho. Deswegen dachten wir uns, geben wir doch Taschen und Fotoapparate gleich ab und gehen dann weiter. Suse also hin zur Luggage-Abgabe, wo die nette Frau anfing, die Tasche auszuräumen. Also folgendes Prinzip: Bei ihr durfte nur Essen und Trinken abgeben werden, die Tasche selbst sowie die Fotoapparate jedoch woanders. Was interessant war: Direkt hinter der Dame lagen verschiedene Taschen und Rucksäcke! Nachdem Suse auf diesen Umstand mehrfach hingewiesen hatte, konnte sie zumindest die Tasche nebst Inhalt an der Rezeption liegen lassen, die Fotoapparate jedoch nicht. Na, macht ja nüscht, wir wolten den blassen Onkel ja eh nicht knipsen, gehn wir also weiter! Vom Taschenempfang führte ein überdachter Weg zum dritten Hindernis (zum mitzählen: 1. drumrum laufen, 2. Taschenabgabe). Auf diesem Weg waren ungelogen alle 3 Meter ein Flachbildschirm angebracht, auf dem der selbe Film über die heroischen Taten der Kameraden im Kampf gegen die Imeperialistenschweine gezeigt wurde. Ich glaube, die Gehirnwäsche funktioniert.. Am Ende dieser massiven Beschallung wartete die Durchleuchtung von den übrigen Taschen und Kameras, jedoch nicht von uns. Dann gings wieder in Zweierreihe und ausschließich auf der linken Seite (wehe, man ging mal einen halben Schritt auf die andere Seite) zum vierten Hindernis, der Kameraabgabe. Dort allerdings nur schweres Gerät. Fotofähige Handys wollten sie nicht haben. Zumindest nicht Suse ihr Handy, meins schon. Und schon gings weiter, diesmal direkt zu Ho. Immer schön auf der linken Straßenseite, flankiert von ein paar adretten Soldat_innen janz in weiß, näherten wir uns dem Mausoleum. Bevor wir rein durften, mussten wir noch zweimal kurz stoppen. Der Grund lag darin, dass kleinere Gruppen vietnamnesischer Menschen, unter persönlichem Geleitschutz zuerst ins Mausoleum durften. Aber auch sie mussten noch warten, weil sie nämlich der Kranzniederlegung vorm Eingang beiwohnen durften. Dabei sind wieder 2 junge Soldaten erst relativ legér/léger/légér... unsoldatisch aus einer Ecke gekommen, mit einem großen Kranz, den sie beide zusammen trugen. Just in dem Moment, als sie in Sichtkontakt kamen, gings im Gleichschritt und sehr feierlich weiter. Wie auch immer, Kranz wurde abgestellt und Leute reingelassen. Wir mussten bis dahin noch vermuten, um welche Ehrengäste es sich handelt: Veteran_innen? Familie vom Onkel? Zufallsbekannte? Die Auflösung dann später. Auf jeden Fall durften wir auch rein und wurden getragen von einer sehr feierlichen und offiziellen Stimmung. Niemand wagte es auch nur zu husten, geschweige denn den Rotz hoch zu ziehen und auszuspucken, wie es sonst üblich ist. Und auf einmal lag er da, ganz friedlich schlummernd. Und alle so dran vorbei und gucken und betretenes Schweigen und so. Wir hatten das Glück ein wenig länger beim Onkel bleiben zu dürfen, da nämlich die eben erwähnte Delegation auch hier noch mal verweilen durfte. Während die also so rumstanden und keiner weiter durfte, salutierte der Begleitschutz der Gruppe vorm Glassarg, erst danach gings weiter. Als wir dann zu 2/3 durch den Raum durch waren, ist Suse doch nochmal mit dem Gesetz angeeckt. Der Wachmann meinte, sie solle ihre Gürteltasche abmachen. Uns ist bis heute unklar, welche Bewandnis es damit auf sich hatte. Einfach nur die Tasche ab, mehr nicht... 20 Sekunden nach der Anweisung waren wir auch schon weider draußen und Suse konnte ihr Täschchen wieder umschnallen.
Da wir nun schon einmal im Gelände waren, sind wir auch gleich nochmal ins Ho Chi Minh Museum.
Das war, ehrlich gesagt, ne ziemliche Enttäuschung. Es gab keine bedeutsamen Informationen über sein Leben oder sein politisches Tun. Oder wir konnten es nicht richtig deuten, da Informationen meist nur auf vietnamnesisch waren und sehr dürftig englisch übersetzt, Stichwort: "Ho Chi Minh's Brille", "Ho Chi Minhs Brief an die Dorfbevölkerung XY 1962" und so weiter und so fort. Das Lustigste war für mich die Statistik mit den steigenden Mitgliederzahlen der vietnamnesischen kommunistischen Partei seit 1965.
Und die Zahlen steigen und steigen.. Wobei, gemessen an der Gesamtbevölkerung (90Mio) ists dann doch eher süß. Solche Sachen stellen die dort aus, nee, nee, nee... Ach ja, apropos Museum und so: Dort löste sich auch das Rätsel der Gruppen mit Sonderbehandlung auf. Sämtliche Gruppenmitglieder waren nämlich im Foyer des Museum eingetroffen und begrüßten bei Schampus und ABBA ("Happy new Year") das Jahr des Pferdes. Da wir uns in der Hochburg der Kommunist_innen Vietnams befanden schlussfolgerten wir, dass es die Partei war, die zum geselligen Jahresempfang geladen hatte, mit vorausgehendem Besuch beim Begründer.
Und noch drei Anekdoten zu Onkel Ho: 1. Wollte der arme alte Mann nie als Anschauungsobjekt nach seinem Ableben herhalten. Vielmehr stand in seinem Testament, dass er sich wünschte, eingeäschert und im Norden, Süden und dem Zentrum Vietnams in jeweils einem kleinen Häuschen und einer kleinen Urne verwahrt zu werden. Also ganz minimal das Ganze. Nun ja, man sieht ja, wie ernst die Genossen seinen letzten Wunsch genommen haben. Und 2. wird die Leiche von Onkel Ho jedes Jahr nach Russland geschafft, um aufgepäppelt zu werden. Dann ist das Mausoleum von September bis Dezember geschlossen. Für den Zeitraum kann man wohl auch von einem entfernten Verwandten sprechen. Muharhar! So, 3. ist das eigentliche Todesdatum der 2.9.1969. Da das aber den hiesigen Nationalfeiertag der Unabhängigkeitserklärung überschatten würde, propagierten die Genossen der Parte viele Jahre lang das falsche Datum. Nachdem die Täuschung dann doch aufgeflogen ist, haben sie irgendwann dann doch das richtige Todesdatum rausgerückt.
Eigentlich wollten wir auch noch die Wohnstätte des einstigen vietnamnesischen Idols besuchen. Dafür hätten wir aber nochmal rund ums Mausoleum gemusst, weil einfach so quer durch geht natürlich nicht. Nach dem ganzen, unserer Meinung nach doch recht sinnfreien und sehr, sehr anstrengenden Prozedere hatten wir dann doch keine Lust mehr darauf und sind lieber wieder zurück, um uns zu stärken und vielleicht noch ein anderes Museum zu sehen. Wir entschieden uns für das Frauenmuseum. Und das war auf jeden Fall eine richtig gute Entscheidung. Auf vier Etagen gab es Ausstellungen zu den verschiedenen Ethnien innerhalb Vietnams und deren Rituale in Ehezeromien, Bekleidung und Religion. Außerdem noch eine Ausstellung zur Rolle der Frauen im Vietnamkrieg. Insgesamt eine sehr lohnenswerte Einrichtung!
Der vierte Tag in Hanoi sollte sehr entspannt werden. Abgesehen vom Visum für Laos, welches wir uns holen mussten, sind wir nur ins berühmt berüchtige "Hanoi Hilton" gegangen, dem Gefängnis, welches die Franzosen errichtet hatten und dann der Viet Con übernommen hat, um die gefangenen amerikanischen Soldaten gefangen zu halten. Den eben genannten Spitznamen hat das Gefängnis von eben jenen Soldaten bekommen. Hier sind verschiedene, sehr ergreifende Ausstellungen zu sehen, die das Leid der Gefangenen darstellen. Und doch, trotz all des Leids, brachte uns die Ausstellung zum Lachen. Dies resultiert aus der unverhohlenen Propaganda, die auch dort und selbstverständlich, betrieben wird. Während einerseits das Grauen dargestellt wird, dem sich die internierten vietnamnesischen Patriot_innen ausgesetzt sahen, folgt im späteren Verlauf die Darstellung, wie gut es doch die GI's hier hatten. Sie durften Briefe schreiben, Weihnachtsbäume aufstellen, Basketball spielen... Uns brachte die Offensichtlichkeit des Schwarz (böse, BÖSE Imperialisten!) und Weiß (die trotz aller Represalien und Folter und Bombenangriffe immer noch netten Vietnamnesen) Denkens jedoch sehr zum Schmunzeln.
Und so ging auch der vorletzte Tag in Vietnams Hauptstadt vorbei. Auf der Terasse eines netten kleinen Cafés saßen wir so rum, schlürften einen Kaffee und schmökerten in dem einen oder anderen Buch rum und gingen dann ins Hostel zurück.
Erst am Abend des nächsten Tages fuhr unser Zug nach Sa Pa, wo wir eine Trekking-Tour durch die Reisfelder unternehmen wollten. Zunächst jedoch mussten wir den Tag in Hanoi noch rumkriegen. Dazu sind wir zur Tran Quoc Pagode gewandert. Unser Weg führte uns über den hiesigen Markt, vorbei an zahlreichen Ständen und vielen, vielen vollbeladenen Mopeds schließlich zur buddhistischen Pagode. Die ist schon auch sehr hübsch anzusehen, allerdings ist es aus Tierschutz-Perspektive immer ne mittlere Katastrophe an solchen Einrichtungen vorbeizugehen. Mal abgesehen vom Fischfang vor Ort, bei dem der Fang einfach auf dem Trockenen liegen gelassen wird und die Tiere so ziemlich langsam und qualvoll ersticken, findet man eine ganze Reihe von Händler_innen, die kleine Schildkröten verkaufen. Wahrscheinlich als Glücksbringer werden die Kleinen dann in einen Tümpel ausgesetzt. Vorher allerdings schwimmen so ungefähr 40-60 von den Tieren in ner kleinen Waschschüssel vor sich hin und versuchen irgendwie rauszukommen.
Am Abend dann, nach dem wir diesen Anblick verdaut hatten, ging unser Nachtzug nach Sa Pa, also in den Norden Vietnams. Die Veranstalter unserer Wahl, über die wir schon luxuriös in die Halong-Buch geschippert sind, versorgten uns mit Taxi bis zum Bahnhof und nem Abholdienst vor Ort. Zwischendrin dann nur noch der Nachtzug. Das schepperte und rumpelte, aber alles in allem war es nicht so anstrengend, wie dieTouren im Bus. Mehr dann dazu allerdings erst im nächsten Eintrag :-)
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