Freitag, 14. März 2014

02.03. Siem Reap

Siem Reap heißt übrigens „die Siamesen besiegt“ und ist wohl nicht besonders taktvoll gegenüber den thailändischen Nachbarn. Beide Völker eint eine Jahrhunderte alte Feindschaft, die auch heute immer mal aufflammt in Kämpfen an der Grenze im Norden Kambodschas.

Unser Tag heute sollte uns zu Angkor Wat bringen und stellte damit einen Höhepunkt unseres gesamten Urlaubs dar. Unser Guesthouse organisierte uns einen TukTukfahrer, der uns durch den heutigen Tag bringen sollte. Los ging's und die Spannung wuchs! Am Eingang mussten wir kurz für die Kameras posieren, um ein personenbezogenes Ticket zu bekommen. An insgesamt drei Tagen durften wir nun die verschiedenen Tempel besuchen.

Suse schmollte ein wenig, als sie unser erstes Ziel sah. Das war nämlich schon das grandiose Angkor Wat selbst. Eigentlich, so ihr Plan, wollte sie erst am letzten Tag, sozusagen als krönenden Abschluss hierher kommen. Aber am Nationalheiligtum kommt man nicht vorbei. Die Khmer (so heißen die Leute hier, nicht Kambodschaner_innen) sind nämlich stolz wie Bolle auf den Tempel. Sie sagen, eine Kultur, die so etwas Grandioses baut, steht auch wieder auf, nachdem sie fast ausgelöscht worden ist. Und Angkor ist überall: auf dem Bier, Postkarten sowieso, Besteck, in Hotel-Logos... überall.


Und unser erster Eindruck war: zu Recht! So etwas faszinierendes und wunderschönes haben wir noch nicht oft gesehen!


Der Tempel besteht aus drei Ringen. Der äußerste ist sozusagen auch die äußere Mauer, umgeben von einem großen Wassergraben. Danach kommt man ins Innere der Anlage und der Anblick dürfte ja eigentlich bekannt sein. Es ist aber trotzdem was völlig anderes, dann doch live vor solch einer Kulisse zu stehen. Und so arbeiteten wir uns durch Wandreliefs, zerfallenen Häusern und an Skulpturen vorbei, bis zum höchsten Punkt des Tempels. Vom Zentrum der Anlage aus hat man dann einen beeindruckenden Blick über die gesamte Konstruktion. Allerdings darf man nur 15 Minuten oben bleiben, dann muss man wieder runter, um anderen Interessierten Platz zu machen. Leider sind vielen Tourist_innen die mehrfach ausgewiesenen Benimmempfehlungen relativ schnuppe. Frauen tragen Schulterlose Tops, Männer, aber auch Frauen tragen viel zu kurze Hosen und Besucher_innen beider Geschlechter rotzen auf den Weg und in den Tempel, klettern über die Steine, bemalen Wände... Der Gedanke Angkor schließen zu wollen, erscheint da gar nicht so abwägig. Dem Gerücht nach soll dies schon nächstes Jahr passieren, allerdings haben wir die Vermutung erst einmal gehört. Wer weiß...












Als zweites kamen wir zum Tempel Bayon. Dieser ist ungefähr zur selben Zeit erbaut wie Angkor Wat, und trotzdem ganz anders. Etwas verfallener, andere Farben der Steine und vor allem:




























Gesichter, die aus Steinen zusammengefügt werden. An jedem der Türme sind sie aber erst zu erkennen, wenn man sich im Gelände des Tempels befindet. Und sie strahlen eine unglaubliche Ruhe aus. Man könnte stundenlang hier entlang schleichen und immer wieder neue Sachen entdecken. Dabei ist es jetzt und hier für uns sehr schwer, die Besonderheiten und Unterschiede in der Architektur der verschiedenen Tempel hervorzuheben. Im Gegensatz zu Angkor ist Bayon kompakter, aber auch zerfallener, dunkler in den Steinen und dadurch aber auch wieder geheimnisvoller. Die Südseite des Tempels hat ein sehr großes Wandrelief, die eine gewaltige Schlacht, sowohl auf dem Land als auch im Wasser darstellt. In den Darstellungen der Kampfhandlungen waren die Handwerker auch nicht besonders zimperlich, Speere, die in Köpfe gehaun werden sind ebenso vorhanden wir Krokodile, die sich ihre Opfer schnappen.

Fast 2 Stunden blieben wir hier, fotografierten und wurden in den Bann längst vergangener Kulturen gezogen.
Viel „besser“ wurde es auch am nächsten Tempel nicht, Ta Prohm. Der dürfte Einigen vielleicht bekannt sein aus dem Tomb Raider Film. Im Moment des Aussteigens aus unserem TukTuk wussten wir, warum dieser Ort gewählt wurde für den Kinofilm. Die Bäume haben sich den Ort, an dem der Tempel errichtet wurde zurückerobert. Und so wuchsen sie im Verlauf der Jahrhunderte in die Mauern und Häuser. Das Licht der Spätnachmittagssonne fiel zwischen Wurzeln, kaputte Mauern und Fenster und verlieh dem Ort tatsächlich etwas mystisches. Suse fühlte sich wie Indiana Jones und versuchte den einen oder anderen Geheimgang zu entdecken, in dem sie Statuen anpiekste und Säulen versuchte zu drehen. Es passierte aber nüscht, außer dass sie staubige Hände bekam.






Insgesamt 5 Tempel bekamen wir an diese ersten von drei Tagen zu sehen. Sie alle einte die ungefähr gleiche Zeit, in der sie errichtet wurden. Unter *** dem siebten befand sich die Kultur der Khmer auf ihrem Höhepunkt, was sich in der Architektur sämtlicher noch auffindbaren Bauwerke jener Epoche widerspiegelt.

Während der Fahrt zurück zum Guesthouse erzählte unser Guide noch viele Anekdoten über Kambodscha und Angkor Wat. Eine haute uns aber fast ausm TukTuk-Sitz: Zwar ist Angkor auf kambodschanischem Grund und Boden und ein enormer Bestandteil der Geschichte des Landes, jedoch hat sich eine vietnamnesische Ölfirma die Rechte an der gesamten Anlage gesichert. Wenn wir also bisher annahmen, die Eintrittsgelder würden zur Restauration der Tempel und den Khmer-Volk zu Gute kommen, so haben wir uns geirrt! Nichts davon bleibt im Land und die Wiederherstellung und Rettung dieses Weltkulturerbes bleibt anderen ausländischen Einrichtungen vorbehalten.

Während unser Guide dies alles so erzählte, redete er sich immer mehr in Rage und schimpfte auf das korrupte Staatssystem, in dem Oppositionelle scheinbar immer noch verhaftet, nach seinen Aussagen sogar getötet werden. Über korrupte Staatsdiener hatten wir im Vorfeld unserer Ankunft bereits gehört und gelesen, es überrascht auch wenig, wenn der Premierminister bereits vor den roten Khmer am königlichen Hof, aber auch während der Zeit der Diktatur politisch aktiv war. Dennoch ist das von unserem Fahrer beschriebene Ausmaß der politischen Verhältnisse erschreckend und verstörend.

03.03. Siem Reap

Tag 2 der Erkundung von stummen und wunderschönen Zeugnissen der Geschichte Südostasiens. Aus zwei Gründen begannen wir sehr zeitig mit unserer Tour: erstens, weil die Strecke des heutigen größer war als die des vorhergehenden Tages. Zweitens, weil wir Angkor unbedingt bei Sonnenaufgang sehen wollten. Um 5 Uhr morgens waren wir verabredet mit dem Fahrer vom Vortag, doch er kam nicht. Warum, wissen wir bis heute nicht, wir haben nur unsere Vermutungen und die reichen von „verschlafen“ bis „hat zu viel geschimpft“. Wir versuchten uns an die erste Variante zu klammern, um negative Gedanken zu verhindern.

Wenn ein TukTuk-Fahrer fehlt, findet sich bestimmt der nächste. Und so war es auch. Die haben da einen speziellen Sinn für nicht abgeholte Tourist_innen. Unserer lauerte in der Nähe, schlich sich an und stürzte sich auf die Beute. Wir waren ja fast auf ihn angewiesen, wo wir doch den Sonnenaufgang nicht verpassen wollten und in der Zeit des Wartens schon so viele andere Romantiker_innen an uns vorbeigefahren sind! Und so stiegen wir in das TukTuk von Speedy Khmerzales, dem schnellsten Fahrer von Kambodscha und konnten Angkor überpünktlich und in stockdunkler Nacht wieder begrüßen. Eine Taschenlampe einzupacken wäre vielleicht nicht die schlechteste Idee gewesen... Wir hefteten uns an die Fersen cleverer Hobbyfotograf_innen und kamen sicher zu dem Ort, an dem man Fotos vom Sonnenaufgang schießen kann, die alle anderen neidisch machen würden. Wir konnten den Platz auch gar nicht verfehlen, eine riesige Menschenmenge hatte sich bereits dort angesammelt. Mit vielen sehr großen Fotoapparaten, überwiegend aber Handys, die dem Morgenrot entgegen gereckt worden. So warteten wir und warteten, schossen so manches Alibi-Foto, um hinterher nicht sagen zu müssen, wir hätten irgendwas verpasst und wollten auf Grund von langwierigen unspektakulären Zeitverstreichens schon die Szenerie verlassen, da erstrahlte Klärchen im wunderschönen Morgenrot. Also alle wie die Kaputten die Handys wieder in die Luft gereckt und los gings!















Die Fotos waren geknipst, hoffentlich ist was gutes bei rumgekommen und so konnten wir weiter. Unser heutiger Fahrer hatte es sich zur Aufgabe gemacht, uns zumindest am Anfang des Tages mit „geheimen“ Plätzen zu bereichern, an denen man tolle Fotos machen könne. Und Morgensport mussten wir machen. Was heißt, sich im angemessenen Abstand vor einen Tempel seiner Wahl zu stellen und dann zu hüpfen.


Westliche Tourist_innen mögen sowas wohl. Danach wurde es von seiner Seite unspektakulärer, dafür blieb die Begeisterung für die heutigen Tempel. Als problematisch stellte sich das frühe Aufstehen heraus. So richtig konnten wir uns auf die Erhabenheit der Tempel nicht einlassen. Außerdem waren wir schon nach kurzer Zeit sehr angestrengt von koreanischen, japanischen und chinesischen Reisegruppen. Dazu später mehr. Relativ früh am Tage waren wir dann auch, wegen Speedy und unserer Konzentrationsschwächen fertig mit der großen Tour.


Nach nem kurzen Zwischenstopp am Guesthouse besuchten wir daher die Ausstellung des Angkor Hospital for Children. Neben einer sehr kleinen Fotoausstellung werden noch zwei Filme zur Arbeit des Kinderkrankenhauses vorgeführt. Und die fanden wir sehr beeindruckend:


Die Gründung des Hospitals wurde vor knapp 15 Jahren von einem japanischen Künstler initiiert, nachdem er in staatlichen Gesundheitseinrichtungen Kinder hat sterben sehen, die nach unserem westlichen Standard mit relativ einfacher medizinischer Versorgung gerettet hätten werden können. Hinzu kommt, dass die Diktatur der roten Khmer sämtliche Mediziner der damaligen Zeit das Leben gekostet hat. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar, nämlich in der misserablen medizinischen Versorgung im ganzen Land. Es gibt nur eine medizinische Fakultät in ganz Kambodscha sowie 5 Schulen, in denen pflegerisches Personal ausgebildet wird. Die Mitarbeiter_innen des AHC (Angkor Hospital for Children) sehen ihr Aufgabenfeld also in der bestmöglichen medizinischen Versorgung, sowie der Prävention und Gesundheitserhaltung. Da wir nach dem Film zum einen sehr beeindruckt waren aber zum anderen noch genügend Fragen offen hatten, die wir gern noch im Gespräch klären wollten, fragten wir ganz offiziell im Krankenhaus an, ob wir nicht einen Termin zur Besichtigung bekommen könnten. Und tatsächlich wurde uns ein Besuch für den übernächste Tag in Aussicht gestellt

04.03. Siem Reap

Nach 7 Wochen des Reisens sind Suse und ich etwas fußlahm geworden. Was aber weniger an preisgünstigen Alternativen zur evolutionären Errungenschaft des aufrecht Laufens liegt als an der Hitze. Damit ich mir nicht ständig wie ein alter Mann mit dem Taschentuch den Schweiß aus Nacken und von der Stirn wischen muss, hatten wir heute auf das Fahrrad umgesattelt. Damit hat man wenigstens während der Fahrt etwas frische Luft im Gesicht. Allerding lässt der Schweißausbruch nicht lange auf sich warten, unterbricht man die Fahrt für länger als 5 Sekunden. Das ließ sich nicht vermeiden, im Gegenteil, war eine längere Pause gewünscht, um eine Ganzkörpermassage zu bekommen. Da wir beim letzten Mal eine traditionell laotische Gliedmaßenverrenkung bekommen hatten, setzten wir für diesmal auf die Massage blinder Khmer-Menschen.


Unsere beiden Masseure waren deutlich sanfter als die beiden Physiotherapeutinnen in Pakse. Was bedeutet, dass weder Suse noch ich die eigenen Füße am Ohr gespürt haben.

Am Ende der einstündigen Wohlfühlaktion empfiehlt sich noch ein Besuch der benachbarten Tonle Sap Ausstellung. Hier findet man Informationen zu Kambodschas größtem See. Das wäre dann ja quasi die perfekte Vorbereitung für den nächsten Tag!

Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen, der erste über den See (Informationen folgen dann im nächsten Eintrag) und der zweite über die Blindenschule. Zusammenfassend bekommen diee blinden Mädchen und Jungen eine bessere Ausbildung als "gesunde" Gleichaltrige! Für uns als Besucher_in bot sich noch die Möglichkeit, die Welt zumindest ein bisschen so wahrzunehmen, wie sie sich für Menschen darstellt, die nicht sehen können. Wir wurden durch einen Raum geführt, Suse an der Hand unseres Guides und ich versuchte mich mit einem Blindenstock zurecht zu finden. In dem komplett abgedunkelten Raum kamen wir an einer dicht befahrenen Straße vorbei und gelangten schließlich zu einem Markt. Dort sollten wir Obst kaufen und unser Wechslgeeld überprüfen.

Als wir schließlich wieder draußen ankamen stellte sich heraus, dass wir beim Wechselgeld beide behummst wurden und ich wohl das falsche Obst bekam. Unser Guide schilterte uns auf die Weise die Welt, wie sie in Kambodscha für Blinde ist. Aber, so sein aufmunterntes Fazit, es wird besser!

Schule für blinde und gehörlose Menschen

Wieder einmal völlig begeistert von der liebevollen Art der Ausstellung und der Zeit, die sich für uns genommen wurde, verließen wir den Ort um ein letztes Mal zu den Tempeln von Angkor zu fahren. Obwohl im Sonnenuntergang, wäre dies wohl eein Highlight der Besichtigungstour. Zwischen Ausstellung, Massage und Abendstimmung lageen noch circa 2 Stunden. Desderwescheen sind wir noch ein letztes Mal zum Bayon-Tempel geefahren, von dem konnten wir einfach nicht geenug bekommen.



 
Wir sogen die Faszination des Ortes wieder und wieder auf. Was auch ganz gut klappen würde, wären nicht dauernd kleinere Gruppen von Jungen und Mädchen unterwegs, die einen belagern müssten. Interessante Taktiken haben die drauf: Erst kommen sie an, plaudern, wo man herkommen würde und erzählen dann was über ihre Schule und zeigen uns ihre Aufgabenhefte. Zuuuufälligerweisee ist genau die Seite aufgeschlagen, auf der die Schule vorgestellt und um Spenden gebeten wird... Atmo-Killer!!!

Wir alswo zum Sonnenuntergang, retten, was noch zu retten ist. Am besten, so der Sicherheitsmann am Eingang von Angkor, sieht man das Abendrrot vom Hügel aus! Also ruff uffn Hüschl und gucken, was so geht. Nüscht geht! Überall asiatische Reisegruppen, die die besten Spots schon besetzt halten. Und wer nicht auf das ultimaive Rot der Sonne wartet, der/die posiert für ein Foto oder zwei.
Das ist jetzt der geeignete Moment, um über eben jene Reisegruppen zu schimpfen. Bisher haben wir uns zurückgehalten, um den Anmut der Tempel und die Schönheit des Augenblicks nicht zu zerstören. Aber was zu viel ist, ist zu viel!
 
Das nervt! Alle tun so, als ob sie die Sonne zwischen den Fingern halten würden. Oder im Handteller! Das sieht in der Summe an gleichen Posen aber total bescheuert aus. Man kommt in Versuchung, seine leere Colabüchse in einer Hand abzustellen.
 
Aber das ist nicht alles. Asiatische Resiegruppen missachten jedes, aber wirklich jedes Schild zu Verhaltensvorschriften. Sie spucken und rotzen, lassen ihren Müll überall liegen, sind unglaublich laut und klettern überall lang
 


Wenn alle Stricke reißen, mache ich mich in Kambodscha selbstständig als Hutverkäufer. Asiatische Reisegruppen kaufen nämlich, aber durch die Bank weg, die dämlichsten Hüte.

Es ist schwer, den Blutdruck im Zaum zu halten, bei derartigen Rahmenbedingungen. Wenn das nur einen Tag so wäre, schön und gut. Aber egal wo wir hinkommen, die sind schon da und vor allem laut!

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