Sonntag, 9. März 2014

28.02. 4000 Islands – Siem Reap

Laos, ach Laos, das war's schon wieder. Heute heißt es Abschied nehmen und es war doch so schön hier! Nach 4 Wochen hast du es geschafft, dich vor Vietnam und in unsere Herzen zu setzen. So viele nette Menschen, so viel Freundlichkeit, Herzlichkeit, Merkwürdigkeiten und Besonderheiten... Wir kommen wieder, irgendwann!

Und bis dahin fahren wir weiter, nach Kambodscha. So hofften wir am Morgen des 28. Februars. Wir frühstückten nett, fütterten eine Katze mit Speck, der eigentlich für uns gedacht war, beobachteten die Wasserbüffel am Strand, die auch gerade erst erwachten und fühlten uns der Restaurantfachfrau gegenüber schuldig, weil wir sie offensichtlich geweckt hatten.
















Dann folgten wir den anderen Tourist_innen zum Strand und somit zur Fähre. Erst wurden alle mit weißem Zettel übergesetzt, dann passierte 'ne ganze Weile nüscht und dann wurden alle anderen mit gelben Zettel abgeholt und ans Festland gebracht. Dort kletterten wir über und unter anderen Schiffen durch und kamen zur Bushaltestelle, gaben unsere Pässe ab, weil sich die Agentur freundlicherweise und für 5 Dollar mehr um die Visaangelegenheiten kümmern würde. Dann würde das nämlich auch viiiiiieeeel schneller gehen, als wenn man das auf eigene Faust machen täte. Ist bestimmt richtig, denn Korruption ist in Laos und Kambodscha allgegenwärtig und mit 'nem Grenzpolizisten muss man sich ja nicht unbedingt anlegen.

Dann erschallte das Zeichen zum Aufbruch und zum Bus, hier in Form eines Busfahrers, der lautstark auf die anstehende Abfahrt seines fahrbaren Untersatzes hinwies. Aber, erstes Hindernis: Alle sollten ihre Tickets umtauschen gegen andere Tickets (ist so eine Besonderheit in Südostasien, Tickets werden gern und oft angeschaut, gecheckt, abgenickt und umgetauscht). Kleine Nebengeschichte: eine etwas ältere französische Dame musste unbedingt die erste am und selbstverständlich auch im Bus sein, um sich und ihrer Freundin die besten Plätze zu sichern. Bei der Ansage, dass sie aber ihr Ticket noch umtauschen müsse, bestand sie darauf, wenigstens ihre Tasche auf die für die vorgesehenen Plätze legen zu dürfen. Jene Dame war auch die Einzige, die bei folgender Geschichte den größten Stress durchlebte. Denn wie sich herausstellte, waren die gelben Tickets (auch unsere) nicht gültig. Die Agentur hatte schlicht vergessen, die Anzahl der Reisewilligen per Telefon durchzugeben. Das heißt, dass nun ungefähr 12 Leute rumstanden, die zwar bezahlt hatten, für die aber im Bus kein Platz mehr war (also wir). Wenn man aber irgendwas lernt während einer so langen Reise durch Südostasien dann, dass sich alles klärt. Während die Französin noch zwischen Bus und Wartepunkt hin und her sprang, dabei abwechselnd den Manager und den Busfahrer in unangemessener Stimmungslage am unermesslichen Reichtum ihres Wissens und Bedeutsamkeit als Geldgeberin für arme Länder wie Laos teilhaben lies, managte der Manager für uns einen anderen Bus. So einfach geht's! Leider reichte der Ersatzbus nicht für alle Traveller_innen. War aber auch nicht so wild, da die Grenze nur 20 Minuten von den 4000 Islands entfernt war. Der Bus konnte uns also absetzen und die letzten Leute abholen, ohne, dass irgendwas Schlimmes passieren müsste. Das Witzigste war, dass die hektische Französin, die sich unbedingt den besten Platz sichern wollte auf eben jenen letzten Bus warten musste. Ihre Freundin war schon unterwegs, alle anderen auch, nur sie nicht.

An der Grenze angekommen warteten wir trotz der vorsorglichen Reisepassabgabe 4 Stunden darauf, dass es weiterging. In der Zwischenzeit trafen wir Mike wieder, den netten Amerikaner mit den Stiften (Pakse → Kaffeeplantagenausflug). Wobei diese Attribuierung zum Zeitpunkt unseres zweiten Treffens nicht mehr zutraf, denn wie er uns erzählte, konnte er doch noch ein paar Kinder beglücken. Leider trennten sich unsere Wege, als im Lager zum Aufbruch geblasen wurde. Wir setzten uns in den Bus nach Siem Reap, der aber über Phnom Penh fuhr (bitte mal nachschauen wie der Streckenverlauf ist, dann lässt sich nachvollziehen, dass das hier auch wieder kein Zuckerschlecken werden sollte). Bevor wir die folgenden Stunden der Fahrt ignorieren, soll noch die weitere Geschichte der Französin umrissen werden. Sie stieg nämlich als letzte in den Bus, warum, weiß ich nicht. Klo-gang, Passport zu spät bekommen, keene Ahnung. Auf jeden Fall musste sie sich ganz vorn im Bus und auf 'nem Plastehocker hinsetzen. Hihi.. Schadenfreude.. Wie bereits angedeutet, können wir nun getrost ein paar Stunden überspringen. Es passierte nichts. Suse döste, draußen war auch nicht viel Neues zu beobachten.. Ein Geräusch schreckte aber alle wieder hoch: erst war's ein BUM!, dann „Schlackschlackschlackschlack“. Reifenpanne! Haben wir das auch mal mit gemacht. Sämtliche Busfahrer und Freunde vom Busfahrer machten sich ans Werk und wechselten in der Wüste den Reifen. 




























Wobei Wüste nicht ganz zutreffend ist, zufällig gab's nämlich 'nen kleinen Laden in der Nähe, in dem man sich mit Erfrischungen eindecken konnte. Das ist echt super hier in Südostasien, überall gibt’s derlei kleine Lädchen.

Nach 'ner halben Stunde ging's dann weiter und auch jetzt will ich gar nicht weiter ins Detail gehen. Gegen halb 9 abends hielt dann unser Bus irgendwo in der Pampa an und meinte, alle die nach Siem Reap wollen, müssten jetzt aussteigen. Jaaaa, bei so etwas sind wir mittlerweile sensibel (→ Fahrt nach Luang Prabang). Um 10, so der Busfahrer, würde ein Bus kommen, der uns abholen und weiterfahren würde... Aha... Hmm, hmm.. Na klar.. wir warten also an 'ner Tankstelle im Nirgendwo und ein Bus wird kommen.. Es wurde 10 und tatsächlich kam ein Bus! Man fasst es nicht! Von Laos aus muss der Manager alles gedeichselt haben. Krass, wie das hier so funktioniert. Leider (irgendwas muss man ja rum nölen) war der Bus sehr unbequem, die Sitze rutschten unter einem weg und es roch ganz merkwürdig nach einer Mischung aus Benzin und Urin. Wir versuchten das Beste draus zu machen.

01.03. 4000 Islands → Siem Reap

Um 4 Uhr morgens wurde das Licht im Bus angeknipst und es war klar: wir haben das Ziel erreicht. Draußen lungerte schon wieder die obligatorische Meute von TukTuk-Fahrern rum, die uns ins Hostel bringen wollten. Zähe Verhandlungen ermöglichten eine rasche Ankunft im Zentrum und in der Nähe von Guesthouses. Leider machen die günstigen welchen erst nach 6 auf, so dass wir noch in der Einfahrt eines Hostels dösten und uns von Mücken zerstechen ließen. Hier aber lüftete sich das Geheimnis des merkwürdigen „Oh-oh!“ Geräuschs im Badezimmer von Luang Prabang.



Zimmer gab's neben Geckos auch und so fielen wir aufs Bett und in tiefen Schlaf...

Dadurch waren wir zumindest soweit erholt, dass wir die Stadt erkunden konnten. Erstmal Geld holen und dann weiter gucken. Oh... Mittagessen und die Khmer-Küche probieren! [...*] → * wird zu gegebener Zeit von Suse vervollständigt – Dann gingen wir bis zum Tempel Wat Thmei, was angemüdet und bei 40°C nur unter wirklich optimistischen Gemütern als „gute Idee“ bezeichnet werden dürfte. 

Nur der:

 Wir kamen an und bekamen ein Bild versetzt, welches uns immer noch grübeln lässt. Dort saß eine Frau und vor ihr ein Holzwagen. Auf diesem Wagen lag ein Kind mit dem größten Hydrozephalus (umgangssprachlich „Wasserkopf“, ist aber eher stigmatisierend), den wir je gesehen hatten. Ungelogen bestimmt 40cm Kopfumfang. Wir können nur erahnen, welche Schmerzen und Druckgefühl damit einhergehen müssen. Und die Frage, die sich uns stellte war, wie ist es denn eigentlich um die Gesundheitsversorgung bestellt? Auf dem Weg zum Tempel sind wir doch an einem Kinderkrankenhaus vorbeigekommen. Kann die Frau sich die Behandlung nicht leisten? Oder, was der schlimmste Gedanke für uns war, will sie nicht, weil der erschreckende Anblick des Kindes genügend Dollar in die Spendendose bringt (wobei wir uns bei dieser Annahme schrecklich fühlten)? So schnell würde sich die Antwort auf die Frage nicht lösen lassen und wir sind mit unseren Zweifeln und Mitleid für das Kind erstmal auf uns selbst gestellt.

Folgen wir dem eigentlichen Ansinnen unseres Besuchs im Tempel. Die ehemalige Schule auf dem Gelände wurde von den Roten Khmer als Gefängnis und Hinrichtungsstätte missbraucht. Stumme Zeugen sind die Knochen und Schädel einiger Menschen, die Opfer dieser willkürlichen Gewaltexzesse wurden.

Die Roten Khmer, unter der Führung von Pol Pot herrschten von 1975 bis 1979, insgesamt knappe 4 Jahre. Das Ziel der roten Khmer war die Errichtung eines Ultra-kommunistischen Staates. Allein den Bauern sollte das Leben hier bestimmt sein. Diejenigen Menschen mit höherer Bildung wurden gnadenlos verfolgt und getötet. Es reichte bereits, eine Brille zu tragen, eine andere Sprache als Khmer zu sprechen oder eben kein Kommunist zu sein und man wurde in die verschiedenen Lager deportiert und zeitnah getötet. Ähnlich wie unsere Faschisten haben die roten Khmer sehr detailliert Buch geführt über ihr Treiben. Dazu dann mehr, wenn wir Phnom Penh erreicht haben. Hier im Tempel stand eine Glasvitrine mit den Überresten der Opfer sowie zwei Informationstafeln zum Hintergrund der Geschichte.

Sehr nachdenklich verließen wir den Ort wieder und fuhren mit TukTuk zurück ins Stadtzentrum.

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