28.02. 4000
Islands – Siem Reap
Laos, ach Laos,
das war's schon wieder. Heute heißt es Abschied nehmen und es war
doch so schön hier! Nach 4 Wochen hast du es geschafft, dich vor
Vietnam und in unsere Herzen zu setzen. So viele nette Menschen, so
viel Freundlichkeit, Herzlichkeit, Merkwürdigkeiten und
Besonderheiten... Wir kommen wieder, irgendwann!
Und bis dahin
fahren wir weiter, nach Kambodscha. So hofften wir am Morgen des 28.
Februars. Wir frühstückten nett, fütterten eine Katze mit Speck,
der eigentlich für uns gedacht war, beobachteten die Wasserbüffel
am Strand, die auch gerade erst erwachten und fühlten uns der
Restaurantfachfrau gegenüber schuldig, weil wir sie offensichtlich
geweckt hatten.
Dann folgten wir
den anderen Tourist_innen zum Strand und somit zur Fähre. Erst
wurden alle mit weißem Zettel übergesetzt, dann passierte 'ne ganze
Weile nüscht und dann wurden alle anderen mit gelben Zettel abgeholt
und ans Festland gebracht. Dort kletterten wir über und unter
anderen Schiffen durch und kamen zur Bushaltestelle, gaben unsere
Pässe ab, weil sich die Agentur freundlicherweise und für 5 Dollar
mehr um die Visaangelegenheiten kümmern würde. Dann würde das
nämlich auch viiiiiieeeel schneller gehen, als wenn man das auf
eigene Faust machen täte. Ist bestimmt richtig, denn Korruption ist
in Laos und Kambodscha allgegenwärtig und mit 'nem Grenzpolizisten
muss man sich ja nicht unbedingt anlegen.
Dann erschallte
das Zeichen zum Aufbruch und zum Bus, hier in Form eines Busfahrers,
der lautstark auf die anstehende Abfahrt seines fahrbaren Untersatzes
hinwies. Aber, erstes Hindernis: Alle sollten ihre Tickets umtauschen
gegen andere Tickets (ist so eine Besonderheit in Südostasien,
Tickets werden gern und oft angeschaut, gecheckt, abgenickt und
umgetauscht). Kleine Nebengeschichte: eine etwas ältere französische
Dame musste unbedingt die erste am und selbstverständlich auch im
Bus sein, um sich und ihrer Freundin die besten Plätze zu sichern.
Bei der Ansage, dass sie aber ihr Ticket noch umtauschen müsse,
bestand sie darauf, wenigstens ihre Tasche auf die für die
vorgesehenen Plätze legen zu dürfen. Jene Dame war auch die
Einzige, die bei folgender Geschichte den größten Stress
durchlebte. Denn wie sich herausstellte, waren die gelben Tickets
(auch unsere) nicht gültig. Die Agentur hatte schlicht vergessen,
die Anzahl der Reisewilligen per Telefon durchzugeben. Das heißt,
dass nun ungefähr 12 Leute rumstanden, die zwar bezahlt hatten, für
die aber im Bus kein Platz mehr war (also wir). Wenn man aber
irgendwas lernt während einer so langen Reise durch Südostasien
dann, dass sich alles klärt. Während die Französin noch zwischen
Bus und Wartepunkt hin und her sprang, dabei abwechselnd den Manager
und den Busfahrer in unangemessener Stimmungslage am unermesslichen
Reichtum ihres Wissens und Bedeutsamkeit als Geldgeberin für arme
Länder wie Laos teilhaben lies, managte der Manager für uns einen
anderen Bus. So einfach geht's! Leider reichte der Ersatzbus nicht
für alle Traveller_innen. War aber auch nicht so wild, da die Grenze
nur 20 Minuten von den 4000 Islands entfernt war. Der Bus konnte uns
also absetzen und die letzten Leute abholen, ohne, dass irgendwas
Schlimmes passieren müsste. Das Witzigste war, dass die hektische
Französin, die sich unbedingt den besten Platz sichern wollte auf
eben jenen letzten Bus warten musste. Ihre Freundin war schon
unterwegs, alle anderen auch, nur sie nicht.
An der Grenze
angekommen warteten wir trotz der vorsorglichen Reisepassabgabe 4
Stunden darauf, dass es weiterging. In der Zwischenzeit trafen wir
Mike wieder, den netten Amerikaner mit den Stiften (Pakse →
Kaffeeplantagenausflug). Wobei diese Attribuierung zum Zeitpunkt
unseres zweiten Treffens nicht mehr zutraf, denn wie er uns erzählte,
konnte er doch noch ein paar Kinder beglücken. Leider trennten sich
unsere Wege, als im Lager zum Aufbruch geblasen wurde. Wir setzten
uns in den Bus nach Siem Reap, der aber über Phnom Penh fuhr (bitte
mal nachschauen wie der Streckenverlauf ist, dann lässt sich
nachvollziehen, dass das hier auch wieder kein Zuckerschlecken werden
sollte). Bevor wir die folgenden Stunden der Fahrt ignorieren, soll
noch die weitere Geschichte der Französin umrissen werden. Sie stieg
nämlich als letzte in den Bus, warum, weiß ich nicht. Klo-gang,
Passport zu spät bekommen, keene Ahnung. Auf jeden Fall musste sie
sich ganz vorn im Bus und auf 'nem Plastehocker hinsetzen. Hihi..
Schadenfreude.. Wie bereits angedeutet, können wir nun getrost ein
paar Stunden überspringen. Es passierte nichts. Suse döste, draußen
war auch nicht viel Neues zu beobachten.. Ein Geräusch schreckte
aber alle wieder hoch: erst war's ein BUM!, dann
„Schlackschlackschlackschlack“. Reifenpanne! Haben wir das auch
mal mit gemacht. Sämtliche Busfahrer und Freunde vom Busfahrer
machten sich ans Werk und wechselten in der Wüste den Reifen.
Wobei
Wüste nicht ganz zutreffend ist, zufällig gab's nämlich 'nen
kleinen Laden in der Nähe, in dem man sich mit Erfrischungen
eindecken konnte. Das ist echt super hier in Südostasien, überall
gibt’s derlei kleine Lädchen.
Nach 'ner halben
Stunde ging's dann weiter und auch jetzt will ich gar nicht weiter
ins Detail gehen. Gegen halb 9 abends hielt dann unser Bus irgendwo
in der Pampa an und meinte, alle die nach Siem Reap wollen, müssten
jetzt aussteigen. Jaaaa, bei so etwas sind wir mittlerweile sensibel
(→ Fahrt nach Luang Prabang). Um 10, so der Busfahrer, würde ein
Bus kommen, der uns abholen und weiterfahren würde... Aha... Hmm,
hmm.. Na klar.. wir warten also an 'ner Tankstelle im Nirgendwo und
ein Bus wird kommen.. Es wurde 10 und tatsächlich kam ein Bus! Man
fasst es nicht! Von Laos aus muss der Manager alles gedeichselt
haben. Krass, wie das hier so funktioniert. Leider (irgendwas muss
man ja rum nölen) war der Bus sehr unbequem, die Sitze rutschten
unter einem weg und es roch ganz merkwürdig nach einer Mischung aus
Benzin und Urin. Wir versuchten das Beste draus zu machen.
01.03. 4000
Islands → Siem Reap
Um 4 Uhr morgens
wurde das Licht im Bus angeknipst und es war klar: wir haben das Ziel
erreicht. Draußen lungerte schon wieder die obligatorische Meute von
TukTuk-Fahrern rum, die uns ins Hostel bringen wollten. Zähe
Verhandlungen ermöglichten eine rasche Ankunft im Zentrum und in der
Nähe von Guesthouses. Leider machen die günstigen welchen erst nach
6 auf, so dass wir noch in der Einfahrt eines Hostels dösten und uns
von Mücken zerstechen ließen. Hier aber lüftete sich das Geheimnis
des merkwürdigen „Oh-oh!“ Geräuschs im Badezimmer von Luang
Prabang.
Zimmer gab's
neben Geckos auch und so fielen wir aufs Bett und in tiefen Schlaf...
Dadurch waren
wir zumindest soweit erholt, dass wir die Stadt erkunden konnten.
Erstmal Geld holen und dann weiter gucken. Oh... Mittagessen und die
Khmer-Küche probieren! [...*] → * wird zu gegebener Zeit von Suse
vervollständigt – Dann gingen wir bis zum Tempel Wat Thmei, was
angemüdet und bei 40°C nur unter wirklich optimistischen Gemütern
als „gute Idee“ bezeichnet werden dürfte.
| Nur der: |
Wir kamen an und
bekamen ein Bild versetzt, welches uns immer noch grübeln lässt.
Dort saß eine Frau und vor ihr ein Holzwagen. Auf diesem Wagen lag
ein Kind mit dem größten Hydrozephalus (umgangssprachlich
„Wasserkopf“, ist aber eher stigmatisierend), den wir je gesehen
hatten. Ungelogen bestimmt 40cm Kopfumfang. Wir können nur erahnen,
welche Schmerzen und Druckgefühl damit einhergehen müssen. Und die
Frage, die sich uns stellte war, wie ist es denn eigentlich um die
Gesundheitsversorgung bestellt? Auf dem Weg zum Tempel sind wir doch
an einem Kinderkrankenhaus vorbeigekommen. Kann die Frau sich die
Behandlung nicht leisten? Oder, was der schlimmste Gedanke für uns
war, will sie nicht, weil der erschreckende Anblick des Kindes
genügend Dollar in die Spendendose bringt (wobei wir uns bei dieser
Annahme schrecklich fühlten)? So schnell würde sich die Antwort auf
die Frage nicht lösen lassen und wir sind mit unseren Zweifeln und
Mitleid für das Kind erstmal auf uns selbst gestellt.
Folgen wir dem
eigentlichen Ansinnen unseres Besuchs im Tempel. Die ehemalige Schule
auf dem Gelände wurde von den Roten Khmer als Gefängnis und
Hinrichtungsstätte missbraucht. Stumme Zeugen sind die Knochen und
Schädel einiger Menschen, die Opfer dieser willkürlichen
Gewaltexzesse wurden.
Die Roten Khmer,
unter der Führung von Pol Pot herrschten von 1975 bis 1979,
insgesamt knappe 4 Jahre. Das Ziel der roten Khmer war die Errichtung
eines Ultra-kommunistischen Staates. Allein den Bauern sollte das
Leben hier bestimmt sein. Diejenigen Menschen mit höherer Bildung
wurden gnadenlos verfolgt und getötet. Es reichte bereits, eine
Brille zu tragen, eine andere Sprache als Khmer zu sprechen oder eben
kein Kommunist zu sein und man wurde in die verschiedenen Lager
deportiert und zeitnah getötet. Ähnlich wie unsere Faschisten haben
die roten Khmer sehr detailliert Buch geführt über ihr Treiben.
Dazu dann mehr, wenn wir Phnom Penh erreicht haben. Hier im Tempel
stand eine Glasvitrine mit den Überresten der Opfer sowie zwei
Informationstafeln zum Hintergrund der Geschichte.
Sehr
nachdenklich verließen wir den Ort wieder und fuhren mit TukTuk
zurück ins Stadtzentrum.
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