Weils so spannend war, machen wir doch gleich mal weiter. Die Menü-Chefin empfiehlt für den heutigen Tag: eine Tour durch die Kaffeeplantagen vom Bolaven Plateau. Wenn das nüscht ist, für nen Kaffee-Junkie wie ich es bin!
Um kurz nach 8 war das Treffen angesagt bei Mr. Vong, also der gestern bereits gepriesenen Pakse-Koryphäe. Dort gabs wieder Frühstück und dann pfiff unser Guide zum Anpfiff, ähm, Aufbruch. Zuerst holten wir Mike den Amerikaner ab. Dann mussten wir noch die Tour für die anschließenden Tage buchen und anschließend stiegen noch zwei ältere Österreicherinnen zu. Mike hatte in weiser Voraussicht - die Tour sah nämlich auch vor, einige Dörfer der laotischen Minderheiten zu besuchen - Buntstifte und Papier eingepackt, um den Kindern dort eine kleine Freude zu bereiten. Die Österreicherinnen hatten nur jede Menge Fragen im Gepäck. Jede_r wie er/sie kann!
Erster Halt war auf einer Teeplantage. Dort werden Pflanzen für schwarzen und grünen Tee gezogen.
Zwischendrin fiel uns auf, Mensch, das sind doch die beiden Frauen, die im Bus von Diem Bien Phu nach Luang Prabang die Vietnamnes_innen angeschnauzt hatten: "Ei sitt hier vohr feif auers, sis is mei pläis!" Oh ja, das konnte noch lustig werden heute.. Mike blieb sehr entspannt, man merkte ihm seine Erfahrungen in Südostasien an, immerhin kam er schon zum neunten oder zehnten Mal hier her. Unser Guide erzählte noch ein bisschen was über die Produktion von Tee, dann gabs Kostproben:
https://www.youtube.com/watch?v=fXcarpcPBBk
Und dann gings auch schon weiter, immerhin war ja das Hauptziel heute Kaffee zu finden! Und das taten wir auch. In Laos werden zwei Kaffeesorten gezüchtet: Robusta und Arabica. Erstere ist sehr günstig in der Produktion, bringt den Farmern aber eben auch kaum Gewinn ein. Deswegen wuchsen vor ein paar Jahren die Plantagen immer weiter an, auf Kosten des Regenwaldes. Seit aber der etwas teurere Arabica angebaut und über Fairtrade vertrieben wird, haben sämtliche an der Produktion beteitligten Personen auch eine höhere Gewinnspanne und schonen den Regenwald. Also immer schön Augen auf, beim Kaffeekauf!
Wenn man übrigens eine solche Tee- oder Kaffeeplantage leitet, darf man sich Master of Tea, beziehungsweise Master of Coffee nennen. Für einen Krankenpfleger und künftigen Lehrer sind das meiner Meinung nach zwei sehr erstrebenswerte Titel! Klingt auch viel cooler als Master of Education..
Nach der Kaffeeplantage fuhren wir dann zu einem Dorf einer ethnischen Minderheit. Und so leid es uns tut, aber wir haben den Namen dieser Minderheit schon wieder vergessen. Auf jeden Fall war es so eine, bei der man die Dorfbewohner_innen nicht fotografieren darf, weil sie glauben, dass dies ihre Seele rauben würde. Also haben wir nur das Dorf als solches auf Bild festgehalten und niemandem die Seele gestohlen:
Hier wollte Mike übrigens auch gern seine mitgebrachten Stifte loswerden, unser Guide riet ihm aber davon ab und stattdessen lieber dazu, die Geschenke Mr. Vong (Koryphäe) quasi als Zwischenwirt (witzig, weil Guesthouse und Restaurant) zu übergeben. Das konnte Mike, aber auch wir bis dahin nicht so recht verstehen. Der tiefere Sinn dieser Empfehlung ergab sich dann aber beim Besuch der nächsten ethnischen Minderheit. Dort überreichte unser amerikanischer Freund zwar nicht Zettel und Stifte, aber das Obst, was er mit sich führte. Wobei, überreichen ist zu viel gesagt. Vielmehr holte er einen Beutel mit Orangen aus seinem Rucksack und zack!, stürzte sich eine Meute von Kindern auf das Obst. Teilweise waren sie so schnell, dass die Machete des einen Mädchens erst eine halbe Sekunde nach ihrem Run auf die Geschenke zu Boden stürzte. Und sie rissen sich das Obst gegenseitig aus den Händen! Unglaubliche Szenen! Und jetzt stelle man sich das mal mit den eigentlichen Präsenten vor. Das hätte kein Stift und erst Recht kein Zettel überstanden. Nachdem die Orangen geschält waren, fingen die Buben und Mädels auch ein bisschen an zu teilen. Für Mike war dies die eindrucksvollste Szenerie des Tages und er überlegte noch lang, an wen er seine Geschenke denn nun überreichen könnte.
Suse gönnte sich derweil nen tiefen Zug aus der Dorfpfeife und ich versuchte die Kinder bei Laune zu halten. Dann folgte der Höhepunkt des Tages für unseren Guide. Eines der Kinder hatte ziemlich kurze Haare, was die Aufmerksamkeit der Österreicherinnen auf sie lenkte - so wie eigentlich alles, was sie hörten uns sahen. Daher fragten sie den armen Guide zunächst, welches Geschlecht das Kind wohl haben möge und dann, warum sie denn so kurze Haare hätte. O-Ton: "Wai häss sis görl so schoort häär?, Görls mast häff long häär!" Dies brachte unseren Reiseleiter ziemlich in die Bredoullie (und Suse zu absoluter Sprachlosigkeit), hatte er doch keine Ahnung warum. Aber den Rest des Tages amüsierte er sich über die Frage und jedesmal kam er zu dem selben Fazit, nämlich dass er keinen blassen Dunst hat. Er lachte immer herzlich auf, jedes Mal, wenn er uns diese Anekdote zuflüsterte.
Im zweiten Bild übrigens sind vier Granaten aus dem Vietnamkrieg zu sehen. Diese wurden im Dorf gefunden, wurden entschärft und stehen nun als Mahnmal am Ortseigang.
Interessant bei dieser zweiten ethnischen Minderheit, die wir besuchten war auch (neben dem kurzen Haar des Mädchens), dass die Menschen hier sich ab einem gewissen Alter ihren eigenen Sarg erst anfertigen lassen und dann unter das Haus stellen. Eine übraus interessante Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit, gerade auch aus dem Blickwinkel einer anderen, vom Tod abgewannten Kultur heraus.
Wir fuhren dann noch ein, zwei Wasserfälle und eine Schule an (auch hier wurde Mike seine Stifte nicht los) und dann gings wieder zurück nach Pakse. Nur eins sei noch erwähnt, auf dem Weg zurück sorgte eine der Österreicherinnen fast noch für nen Herzinfarkt auf meiner Seite als sie quer durch den Bus brüllend nachfragen musste, was das denn für Pflanzen seien, die da am Wegesrand stehen. "Whoats sätt plahnt?" Das kam so überraschend und unverhofft, dass erst alle ihren Puls messen mussten und dann auch wieder wach waren..
Die Österreicherinnen erinnern mich irgendwie an Schnabbel aus "Ich bin dann mal weg" ^^
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