06.03. Siem Reap
Eine kleine Warnung vor diesem Eintrag ist wohl angebracht: Heute ist sehr viel Text und wenig Bilder, wir können es verstehen, wenn ihr die Seite jetzt lieber wieder schließen wollt. Das heute kaum Bilder zu zeigen sind, liegt daran, dass wir im Angkor Hospital for Children waren und gebeten wurden, keine Fotos zu machen. Ham wir nicht, deswegen sieht das jetzt hier nach nem Schulaufsatz aus. Wer dennoch weiter lesen will, dem oder der danken wir sehr fürs Interesse und wünschen viel Spaß dabei!
Drei Tage hatten
wir Zeit, verschiedene Tempel von Angkor zu besichtigen. Drei Tage
staunen, bewundern und schimpfen auf asiatische Formen des
Sightseeings. Nun ist's aber auch wieder gut (wobei, genug kriegen
von den Tempeln kann mensch wirklich nicht) und wir wenden uns anderen
Sehenswürdigkeiten in Siem Reap zu. Oder auch mal ausspannen?! Wie
gesagt, zwei Tage zuvor bekamen wir die Nachricht, dass wir uns das
AHC ansehen dürften und heute war es soweit. Um 9 Uhr morgens waren
wir verabredet mit Arun, der Managerin für Öffentlichkeitsarbeit
des Krankenhauses. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung wurden wir
von ihr über das Gelände geführt.
70 Betten gibt
es hier für ganz verschiedene Bereiche: Neonatologie,
Intensivstationen, Augenklinik, Infektionsstation. Die Kinderklinik
hier war besser aufgestellt als es so manches Provinzkrankenhaus bei
uns ist! Dabei funktioniert die Finanzierung fast ausschließlich
über Spenden, die den Kindern eine kostenlose Behandlung
ermöglichen. Zum Vergleich: staatliche Krankenhäuser verlangen für
einfache Untersuchungen und Behandlungen mindestens einen halben
Dollar. Was für uns immer noch nicht der Rede wert ist, ist für
Familien, die mitunter weniger als einen Dollar pro Tag haben (das
trifft auf Drittel der Bevölkerung zu), um ihren Lebensunterhalt zu
finanzieren, jedoch unerschwinglich. Deswegen kommen ins AHC täglich
circa 500 Erkrankte nebst Familien (häufig ist die Krankheitsursache
Unterernährung oder Dehydratation, dann bekommen die Kinder kleine
Essenspakete und da meist die gesamte Familie betroffen ist, kriegen
die anderen Familienmitglieder auch welche). Sie kommen nicht nur aus
Siem Reap, sondern auch aus Provinzen, die weiter weg sind. Haben sie
das Hospital erreicht, folgt eine Aufnahme und Ersteinschätzung der
Dringlichkeit in der Aufnahmestation. Wobei, Station ist zu viel
gesagt, unter freiem Himmel sitzt die Krankenpflegerin und nimmt die
Erstversorgung vor (wobei das eigentlich auch nur angemessen ist, es
ist schließlich richtig warm und trocken). Uns wurde über die
Behandlung der akuten Erkrankungen ebenso berichtet, wie über
präventive Angebote des Hospitals zu Hygiene, Ernährungsempfehlungen
(besonders beeindruckend war ein kleiner Garten und eine Küche, was
beides zur Ernährungsschulung der Familie dient) und Schulungen in
den Provinzen (ganz nach dem Multiplikator_innenprinzip) etc. und
eine umfangreiche Nachbetreuung mit Sozialarbeit und Hausbesuchen.
Wir fanden an diesem Ort letztlich eine zu unseren medizinischen und
pflegerischen Standards mindestens ebenbürtige und ganzheitliche
Betreuung kranker Kinder und deren Eltern vor.
Wir fragten
Arun, wie und wo das Krankenhaus die Mitarbeiter_innen ausbilden
kann, um die Qualität zu sichern. Die Antwort darauf ist nicht ganz
einfach zu finden. In ihrem Hass auf und ihrer Angst vor Bildung,
Fortschritt, Kunst, Intellekt und demokratischem Diskurs töteten die
Roten Khmer sämtliche Ärzte_innen, Lehrer_innen und so weiter. Die
Auswirkungen sind bis heute spür- und sichtbar. Erstens gibt es nur
eine medizinische Fakultät sowie fünf staatliche Pflegeschulen in
Kambodscha. Zweitens herrschen eben dort immer noch miserable
qualitative Zustände in der Ausbildung, ebenfalls als Resultat der
roten Khmer. Das AHC versucht dem entgegenzuwirken, indem es
Pflegende und Ärzte_innen aus- und weiterbildet aber auch die
eigenen Mitarbeiter_innen in andere Krankenhäuser entsendet, um die
Qualität der staatlichen Krankenhäuser zu steigern, da, wie Arun
sagt, die Menschen hier für die Leistungen bezahlen, sollen sie auch
eine entsprechende Qualität in der Behandlung erhalten.
Leider konnten
wir in der einen Stunde, die sich Arun für uns Zeit nahm, nicht alle
Fragen stellen und nicht alle Stationen medizinischer Versorgung
besuchen. Wir bekamen aber dennoch ein sehr umfassendes Bild dieser
hervorragenden Einrichtung vermittelt. Auf so vielen Ebenen der
ganzheitlichen Betrachtung des Individuums arbeiten die
Mitarbeiter_innen des Angkor Hospital for Children.
Am Ende der
Führung mussten wir Arun noch die Frage nach dem Kind mit dem
immensen Hydrozephalus stellen. Sie ließ uns keine Ruhe. Warum nur
muss es in diesem extrem schmerzhaften Status bleiben, wo doch die
nahezu ideale und kostenfreie Behandlung in der unmittelbaren
Umgebung ist? Die Managerin bestätigte leider, was wir vermuteten,
uns aber nicht trauten, zu glauben. Sie meinte, dass sie
Tourist_innen häufig davor warnen, Geld zu geben. Weil keinerlei
soziale Absicherung durch den Staat erfolgt, die Menschen auf sich
selbst gestellt sind, werden Kinder benutzt, um das eigene Überleben
zu sichern. Und so schwer es uns fällt, durch unsere Spenden helfen
wir den Betroffenen nur kurzfristig. Der einzige Ausweg liegt in
Bildung und Empowerment. Für den beschriebenen Fall bleiben wir also
momentan machtlos und ohnmächtig.
Und sonst am Tage? Wir kauften uns leckeres Obst,
klauten lustige Autos
und setzten uns in nette Cafés. Und zum krönenden Abschluss und weils schon wieder so unfassbar warm war, suchten wir uns einen netten Pool zum Abkühlen.
Am Abend dann trafen wir Viola und Consuelo, unsere beiden Mitleidenden aus dem Bus von Diem Bien Phu nach Luang Prabang. Die kamen gerade aus Vietnam und machten Zwischenstopp in Siem Reap, für die Tempelei hier. Wir gelangten zur gemeinsamen Feststellung, dass die schwimmenden Dörfer am Tonle Sap See durchaus einen Besuch wert wären und wir das für den kommenden Tag in Angriff nehmen sollten.
07.03. Siem Reap
Taten wir auch! Los gings nach leckerem Frühstück bei unserem Lieblingsgastronom in Sieam Reap. Danach organisierten wir uns ein TukTuk, holten die beiden Mädels ab und los ging die wilde Luzie.
Teilweise war's wieder ein ganz schönes Geschaukel und Geschüttel auf einem Weg, der nur aus Steinen und Schlaglöchern zu bestehen schien. Ein großes Lob gilt an dieser Stelle Consuelo, die ihren Durst ausgerechnet hier mit einer Dose Limonade stillen musste und dennoch dabei keinen Tropfen in den Staub der Landstraße schickte!
Am Kassenhäuschen angekommen, erwartete uns eine unangenehme Überraschung. Entgegen der wiederholten Aussage unserer Guesthouse-Rezeptionistin kosteten Eintritt und Bootfahren statt der 10 Dollar insgesamt 25 Dollar pro Person! Man wird das Gefühl nicht los, das, wenn sich Sehenswürdigkeiten schon mal in staatlicher Hand befinden, sich dieser auf Teufel-komm-raus die Gelder sichern muss, die ihm in Angkor und auf den Killing Fields verloren gehen. Und wir sind uns auch ziemlich sicher, die Bevölkerung hier vor Ort wird nicht besonders viel davon abbekommen..
Viola schaffte es, den Eintritt um 5 Dollar pro Person zu senken, dafür ein dickes Lob! Und so kamen wir doch noch zum schwimmenden Dorf.
War man nicht vor Ort, wird man sich fragen, was denn diesen See jetzt so besonders macht, dass man dafür 20 Dollar Eintritt hinlegt?! Der Tonle Sap ist Kambodschas größter See. Während der Regenzeit wird er von mehreren Flüssen, unter anderem den Mekong gespeist.In der Trockenzeit hingegen, also aktuell, fließt weniger Wasser in den See und er schrumpft auf gut ein Fünftel seiner Größe. Die Fische aber bleiben im See, was für die Dörfer rings herum eine riesige Ausbeute verspricht. Doch nicht nur der Mensch profitiert von diesem Fischreichtum, auch zahlreiche Vögel haben hier ihre Nistplätze, um den Nachwuchs groß zu ziehen. Und hier waren wir nun:
Die Häuser wurden, wie zu sehen ist, auf hohen Stelzen errichtet. In der Regenzeit haben wir dann also die schwimmenden Dörfer, als die sie ausgeschrieben sind. Hier und heute waren es "nur" Häuser auf Stelzen.
Von einem stinkenden Motorboot wurden wir zu einem kleinen Zwischenhalt gebracht, an dem schon mehrere Dorf-Omis in ihren Langbooten warteten. In denen werden dann die Touris durch die Mangroven-Bäumchen gefahren, bis zu einer Seeschneckenzuchtstation. Diese wurde uns voller Stolz präsentiert, dann ging's zum Restaurant auf dem See.
Zum Abschluss des Ausflugs wurden wir noch durchs Dorf geführt, wir sollten wiedermal allerhand Sachen kaufen, deren Erlöse dann einer Schule zukommen würden. Sicher waren wir uns dabei nicht, deswegen haben wir das lieber gelassen. Wir besichtigten statt dessen lieber noch den Dorf-Tempel (nicht Tümpel), schmusten mit ner kleinen Katze,
desinfizierten uns die Hände und gingen zurück. Selbstverständlich nicht ohne einer kleinen Kostprobe aus dem See machten wir uns auf den Rückweg:
Ich hatte keine Magenverstimmung, falls es jemanden interessiert. Und das, obwohl die Shrimps dort ne gaaanze Weile in der Hitze rumkullern.
Nach diesem kulturellem Höhepunkt ließen wir den Nachmittag und Abend dann wieder am Pool von gestern Abend ausklingen. Das war schon eine kleine Wohlfühl-Oase
Und leider, leider war dies auch unser letzter gemeinsamer Abend mit Viola und Consuelo. Während sie nach Thailand weiter reisten, stand für uns und den morgigen Tag die Fahrt nach Battambang an.
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