Dienstag, 18. März 2014

06.03. Siem Reap

Eine kleine Warnung vor diesem Eintrag ist wohl angebracht: Heute ist sehr viel Text und wenig Bilder, wir können es verstehen, wenn ihr die Seite jetzt lieber wieder schließen wollt. Das heute kaum Bilder zu zeigen sind, liegt daran, dass wir im Angkor Hospital for Children waren und gebeten wurden, keine Fotos zu machen. Ham wir nicht, deswegen sieht das jetzt hier nach nem Schulaufsatz aus. Wer dennoch weiter lesen will, dem oder der danken wir sehr fürs Interesse und wünschen viel Spaß dabei!


Drei Tage hatten wir Zeit, verschiedene Tempel von Angkor zu besichtigen. Drei Tage staunen, bewundern und schimpfen auf asiatische Formen des Sightseeings. Nun ist's aber auch wieder gut (wobei, genug kriegen von den Tempeln kann mensch wirklich nicht) und wir wenden uns anderen Sehenswürdigkeiten in Siem Reap zu. Oder auch mal ausspannen?! Wie gesagt, zwei Tage zuvor bekamen wir die Nachricht, dass wir uns das AHC ansehen dürften und heute war es soweit. Um 9 Uhr morgens waren wir verabredet mit Arun, der Managerin für Öffentlichkeitsarbeit des Krankenhauses. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung wurden wir von ihr über das Gelände geführt.

70 Betten gibt es hier für ganz verschiedene Bereiche: Neonatologie, Intensivstationen, Augenklinik, Infektionsstation. Die Kinderklinik hier war besser aufgestellt als es so manches Provinzkrankenhaus bei uns ist! Dabei funktioniert die Finanzierung fast ausschließlich über Spenden, die den Kindern eine kostenlose Behandlung ermöglichen. Zum Vergleich: staatliche Krankenhäuser verlangen für einfache Untersuchungen und Behandlungen mindestens einen halben Dollar. Was für uns immer noch nicht der Rede wert ist, ist für Familien, die mitunter weniger als einen Dollar pro Tag haben (das trifft auf Drittel der Bevölkerung zu), um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, jedoch unerschwinglich. Deswegen kommen ins AHC täglich circa 500 Erkrankte nebst Familien (häufig ist die Krankheitsursache Unterernährung oder Dehydratation, dann bekommen die Kinder kleine Essenspakete und da meist die gesamte Familie betroffen ist, kriegen die anderen Familienmitglieder auch welche). Sie kommen nicht nur aus Siem Reap, sondern auch aus Provinzen, die weiter weg sind. Haben sie das Hospital erreicht, folgt eine Aufnahme und Ersteinschätzung der Dringlichkeit in der Aufnahmestation. Wobei, Station ist zu viel gesagt, unter freiem Himmel sitzt die Krankenpflegerin und nimmt die Erstversorgung vor (wobei das eigentlich auch nur angemessen ist, es ist schließlich richtig warm und trocken). Uns wurde über die Behandlung der akuten Erkrankungen ebenso berichtet, wie über präventive Angebote des Hospitals zu Hygiene, Ernährungsempfehlungen (besonders beeindruckend war ein kleiner Garten und eine Küche, was beides zur Ernährungsschulung der Familie dient) und Schulungen in den Provinzen (ganz nach dem Multiplikator_innenprinzip) etc. und eine umfangreiche Nachbetreuung mit Sozialarbeit und Hausbesuchen. Wir fanden an diesem Ort letztlich eine zu unseren medizinischen und pflegerischen Standards mindestens ebenbürtige und ganzheitliche Betreuung kranker Kinder und deren Eltern vor.
Wir fragten Arun, wie und wo das Krankenhaus die Mitarbeiter_innen ausbilden kann, um die Qualität zu sichern. Die Antwort darauf ist nicht ganz einfach zu finden. In ihrem Hass auf und ihrer Angst vor Bildung, Fortschritt, Kunst, Intellekt und demokratischem Diskurs töteten die Roten Khmer sämtliche Ärzte_innen, Lehrer_innen und so weiter. Die Auswirkungen sind bis heute spür- und sichtbar. Erstens gibt es nur eine medizinische Fakultät sowie fünf staatliche Pflegeschulen in Kambodscha. Zweitens herrschen eben dort immer noch miserable qualitative Zustände in der Ausbildung, ebenfalls als Resultat der roten Khmer. Das AHC versucht dem entgegenzuwirken, indem es Pflegende und Ärzte_innen aus- und weiterbildet aber auch die eigenen Mitarbeiter_innen in andere Krankenhäuser entsendet, um die Qualität der staatlichen Krankenhäuser zu steigern, da, wie Arun sagt, die Menschen hier für die Leistungen bezahlen, sollen sie auch eine entsprechende Qualität in der Behandlung erhalten.

Leider konnten wir in der einen Stunde, die sich Arun für uns Zeit nahm, nicht alle Fragen stellen und nicht alle Stationen medizinischer Versorgung besuchen. Wir bekamen aber dennoch ein sehr umfassendes Bild dieser hervorragenden Einrichtung vermittelt. Auf so vielen Ebenen der ganzheitlichen Betrachtung des Individuums arbeiten die Mitarbeiter_innen des Angkor Hospital for Children.

Am Ende der Führung mussten wir Arun noch die Frage nach dem Kind mit dem immensen Hydrozephalus stellen. Sie ließ uns keine Ruhe. Warum nur muss es in diesem extrem schmerzhaften Status bleiben, wo doch die nahezu ideale und kostenfreie Behandlung in der unmittelbaren Umgebung ist? Die Managerin bestätigte leider, was wir vermuteten, uns aber nicht trauten, zu glauben. Sie meinte, dass sie Tourist_innen häufig davor warnen, Geld zu geben. Weil keinerlei soziale Absicherung durch den Staat erfolgt, die Menschen auf sich selbst gestellt sind, werden Kinder benutzt, um das eigene Überleben zu sichern. Und so schwer es uns fällt, durch unsere Spenden helfen wir den Betroffenen nur kurzfristig. Der einzige Ausweg liegt in Bildung und Empowerment. Für den beschriebenen Fall bleiben wir also momentan machtlos und ohnmächtig. 


 Und sonst am Tage? Wir kauften uns leckeres Obst,





klauten lustige Autos



und setzten uns in nette Cafés. Und zum krönenden Abschluss und weils schon wieder so unfassbar warm war, suchten wir uns einen netten Pool zum Abkühlen.

Am Abend dann trafen wir Viola und Consuelo, unsere beiden Mitleidenden aus dem Bus von Diem Bien Phu nach Luang Prabang. Die kamen gerade aus Vietnam und machten Zwischenstopp in Siem Reap, für die Tempelei hier. Wir gelangten zur gemeinsamen Feststellung, dass die schwimmenden Dörfer am Tonle Sap See durchaus einen Besuch wert wären und wir das für den kommenden Tag in Angriff nehmen sollten.

07.03. Siem Reap

Taten wir auch! Los gings nach leckerem Frühstück bei unserem Lieblingsgastronom in Sieam Reap. Danach organisierten wir uns ein TukTuk, holten die beiden Mädels ab und los ging die wilde Luzie.


Teilweise war's wieder ein ganz schönes Geschaukel und Geschüttel auf einem Weg, der nur aus Steinen und Schlaglöchern zu bestehen schien. Ein großes Lob gilt an dieser Stelle Consuelo, die ihren Durst ausgerechnet hier mit einer Dose Limonade stillen musste und dennoch dabei keinen Tropfen in den Staub der Landstraße schickte!

Am Kassenhäuschen angekommen, erwartete uns eine unangenehme Überraschung. Entgegen der wiederholten Aussage unserer Guesthouse-Rezeptionistin kosteten Eintritt und Bootfahren statt der 10 Dollar insgesamt 25 Dollar pro Person! Man wird das Gefühl nicht los, das, wenn sich Sehenswürdigkeiten schon mal in staatlicher Hand befinden, sich dieser auf Teufel-komm-raus die Gelder sichern muss, die ihm in Angkor und auf den Killing Fields verloren gehen. Und wir sind uns auch ziemlich sicher, die Bevölkerung hier vor Ort wird nicht besonders viel davon abbekommen..

Viola schaffte es, den Eintritt um 5 Dollar pro Person zu senken, dafür ein dickes Lob! Und so kamen wir doch noch zum schwimmenden Dorf.


War man nicht vor Ort, wird man sich fragen, was denn diesen See jetzt so besonders macht, dass man dafür 20 Dollar Eintritt hinlegt?! Der Tonle Sap ist Kambodschas größter See. Während der Regenzeit wird er von mehreren Flüssen, unter anderem den Mekong gespeist.In der Trockenzeit hingegen, also aktuell, fließt weniger Wasser in den See und er schrumpft auf gut ein Fünftel seiner Größe. Die Fische aber bleiben im See, was für die Dörfer rings herum eine riesige Ausbeute verspricht. Doch nicht nur der Mensch profitiert von diesem Fischreichtum, auch zahlreiche Vögel haben hier ihre Nistplätze, um den Nachwuchs groß zu ziehen. Und hier waren wir nun:


 Die Häuser wurden, wie zu sehen ist, auf hohen Stelzen errichtet. In der Regenzeit haben wir dann also die schwimmenden Dörfer, als die sie ausgeschrieben sind. Hier und heute waren es "nur" Häuser auf Stelzen.

Von einem stinkenden Motorboot wurden wir zu einem kleinen Zwischenhalt gebracht, an dem schon mehrere Dorf-Omis in ihren Langbooten warteten. In denen werden dann die Touris durch die Mangroven-Bäumchen gefahren, bis zu einer Seeschneckenzuchtstation. Diese wurde uns voller Stolz präsentiert, dann ging's zum Restaurant auf dem See.


















Zum Abschluss des Ausflugs wurden wir noch durchs Dorf geführt, wir sollten wiedermal allerhand Sachen kaufen, deren Erlöse dann einer Schule zukommen würden. Sicher waren wir uns dabei nicht, deswegen haben wir das lieber gelassen. Wir besichtigten statt dessen lieber noch den Dorf-Tempel (nicht Tümpel), schmusten mit ner kleinen Katze,




desinfizierten uns die Hände und gingen zurück. Selbstverständlich nicht ohne einer kleinen Kostprobe aus dem See machten wir uns auf den Rückweg:


Ich hatte keine Magenverstimmung, falls es jemanden interessiert. Und das, obwohl die Shrimps dort ne gaaanze Weile in der Hitze rumkullern.

Nach diesem kulturellem Höhepunkt ließen wir den Nachmittag und Abend dann wieder am Pool von gestern Abend ausklingen. Das war schon eine kleine Wohlfühl-Oase


Und leider, leider war dies auch unser letzter gemeinsamer Abend mit Viola und Consuelo. Während sie nach Thailand weiter reisten, stand für uns und den morgigen Tag die Fahrt nach Battambang an.

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